Alexander Iwanowitsch (in der Garderobe, während er sich den Pelz umlegt). Ich kann diese Art Menschen nicht ausstehen! Das tut nichts, wird nur immer fetter und stellt sich, als wäre er dies und jenes, als hätte es dies getan und jenes verbessert — die leibhaftige Tugend! Und welche Ansprüche das macht! Einen Orden! Und er wird ihn auch bekommen! Ja, er wird ihn bekommen — dieser Gauner! Er wird ihn bekommen! Solche Menschen haben ja immer Erfolg! Und ich? Hä? Fünf Jahre bin ich länger im Dienst und bis jetzt noch nicht einmal für einen Orden vorgeschlagen? Pfui, was für eine ekelhafte Physiognomie? Und dazu entwickelt er noch zarte Gefühle: er will ja gar nichts so besonderes, nur damit man merkt, daß seine Vorgesetzten ihm einige Aufmerksamkeit erweisen. Und er bittet mich noch, daß ich ein Wort für ihn einlegen soll! Da sind Sie an den Richtigen gekommen, Verehrtester! Ich werde ihm schon einen Dienst erweisen! Nein, mein Bester, du sollst keinen Orden bekommen! Keinen! Keinen!! (Klopft einige Male wie zur Bestätigung mit der Faust auf die Handfläche und entfernt sich.)
Der Prozeß.
1. Auftritt
Ein Kabinett.
Proletew (ein Sekretär, sitzt allein im Sessel und hat fortwährend den Schlucken). Was ist denn mit mir los? Grad als wenn’s mir aufstößt. Das Mittagessen von gestern steckt mir noch in der Kehle. Da ißt man und ißt — weiß der Teufel, was man alles ißt! (Es stößt ihm auf.) Da ist’s! (Es stößt ihm auf.) Schon wieder. (Es stößt ihm auf.) Noch einmal! (Es stößt ihm auf.) Jetzt schon zum viertenmal! (Es stößt ihm auf.) Der Teufel soll auch das viertemal holen! Jetzt will ich mal die „Nördliche Biene“ lesen und sehen, was da drin steht. Ah, wie ich diese „Nördliche Biene“ über habe! Grad wie ein Frauenzimmer, das als alte Jungfer sitzengeblieben ist. (Liest und schreit auf.) Krachmanow eine Auszeichnung! Ah? Petruschka Krachmanow! Solch ein kleiner Bengel war er. (Zeigt mit der Hand.) Ich habe ihn doch selbst im Kadettenkorps untergebracht. Ah? (Fährt fort zu lesen, plötzlich schreit er auf, indem er die Augen weit aufreißt.) Was ist das? Was ist das? Heißt das wirklich Burdjukow? Wirklich! Pawel Petrowitsch Burdjukow ist befördert worden! Ah? Nun? Ein bestechlicher Kerl, der zweimal von Gerichtswegen verfolgt wurde, der Vater ein Dieb, der den Fiskus bestohlen hat — der ekelhafteste Mensch, den man sich nur vorstellen kann — Hä? Und die ganze Welt hält ihn für einen aufrichtigen Menschen. Solch ein Schurke! Hat er nicht behauptet: „Der Prozeß Buchtjelew ist nicht sachlich entschieden worden, der Senat ist der Sache nicht auf den Grund gegangen!“ — Und warum? Der Schurke hat einfach erfahren, daß auf meinen Teil zwanzigtausend Rubel fallen würden — da denkt er sich, warum hat er die nicht bekommen? Der ist wie ein Hund, der auf dem Heu liegt: Was er selbst nicht kriegt, gönnt er auch einem andern nicht. Aber ich kenne dich, geh doch und schwindle andern etwas vor, verstell dich nur vor ihnen. Ich weiß genug von dir. Wahrhaftig, ich ärgere mich, daß ich in die Zeitung hineingesehen habe. Wenn man die liest, hat man nichts als Ärger und Ekel. He, Andrei!
2. Auftritt
Der Lakai (hereintretend). Was befehlen Sie?
Proletew. Trag diese Zeitung hinaus! Warum hast du sie überhaupt gebracht, du Narr! (Andrei trägt die Zeitung hinaus.) Was sagt man nur zu diesem Burdjukow. Ah, den würde ich, ohne viel Worte zu machen, einfach nach Kamtschatka schicken. Ich würde ihm mit dem größten Vergnügen einen Schabernack spielen, das muß ich gestehen — sofort in diesem selben Augenblick. Aber es hat sich bis jetzt noch keine, aber auch keine Gelegenheit gefunden ... Was soll ich machen? Gott zürnt mir wohl! Ah, ich würde dich schon streicheln, ich würde dir schon was um die Lippen schmieren ... Und was er für Lippen hat! Wie ein Stier — so ’ne Kanaille!
Der Lakai. Burdjukow ist da.
Proletew. Wer?