M. ARTZIBASCHEW, Revolutionsgeschichten. 3. Aufl.

Der berühmte Dichter des „Ssanin“ zeigt sein hervorragendes dichterisches Können auch in diesem neuen Werk. Die „Revolutionsgeschichten“ sind furchtbare Illustrationen zu den nun schon historisch gewordenen Greueltaten jener Zeit, da Revolution und Reaktion in Rußland einen grauenvollen Kampf begannen. In diesen Geschichten steckt die sittliche Kraft der russischen Jugend und Intelligenz, die es gewagt hat, an den Grundlagen des tönernen Kolosses zu rühren und die Reformation des Landes unter Aufopferung ihrer eignen Personen zu erzwingen. Und doch lesen sich diese Geschichten nicht etwa bloß wie historische Berichte. Sie sind dichterische Schöpfungen.

Dr. Messer i. d. Neuen Freien Presse, Wien

FJODOR SSOLOGUB, Der kleine Dämon. Roman. 3. Aufl.

Ssologubs „Kleiner Dämon“ ist ein Buch, das man gerne liest und über das man gerne schreibt, seinem furchtbaren Stoffe, der Tatsache zum Trotz, daß es Seite für Seite vom Schmutz eines für westeuropäische Begriffe schier unglaublich niedrigen Alltags geradezu pappt. Dies grausame Buch ... bedarf einer energischen Abwehr der Insinuation des Naturalismus und seiner Lust zu stinken. Ssologub steht hoch über dem Verdachte, mit den Widrigkeiten seines Werkes Sensation beabsichtigt zu haben ... Er ist Dichter durch und durch und blickt mit den ernsten, echt menschlichen Augen eines vornehmen Ethikers. Ssologub macht keinerlei literarischen Getues mit dem Satanismus der Welt, die er schildert. Er spricht ruhig und gelassen wie von einer Sache, über die wir uns längst einig sind. Sein Pessimismus posiert nicht und ist keine trockene These, sondern bitterlich ernste Lebenserfahrung, Lebensstimmung.

Hermann Eßwein im Literarischen Echo

ALEXANDER KUPRIN, Die Gruft. Ein Roman aus der russischen Tiefe. Dritte Auflage.

Ein mächtiges Gefühl der Wirklichkeit lodert in seinem Schaffen, ein Streben, das ganze russische Leben zu umfassen und die Vielheit seiner Formen sinnreich zu beleuchten ... Kuprins Naturalismus hat hier in der Sprache, in der Darstellung von Tatsachen und in den Farben den Höhepunkt erreicht. Er erscheint hier als Naturforscher, als Psychologe und als Chirurg, der mit verblüffender Kaltblütigkeit das Seziermesser handhabt, um alle Atome zu zerlegen ... Die ethische Kraft, mit der Kuprin sein Werk geschrieben, ist gewaltig genug, um jede ernstdenkende und mitfühlende Persönlichkeit hinzureißen.

Neue Freie Presse, Wien

Was Kuprins Buch, das er den Müttern und der Jugend widmet, von der Bordell- und Dirnenliteratur unterscheidet, in der mit einem ethisch-sentimentalen Rittertum die Notwendigkeit der Institution und die Zusammenhänge unterschlagen wurden, ist die Objektivität, mit der er den Dingen aus nächster Nähe klar ins Auge sieht, ohne das ungeheuer Geschäftsmäßige der Prostitution dabei mit Gemüt zu überfälschen ... Es ist ein Erkenntnis- und ein Mahnbuch, ein Buch der Nächstenliebe, voll großen sozialen Empfindens.