„Freilich, freilich, wir alle gucken, wenn das Riesele Walzer tanzt, oder auf dem Hochseil läuft, oder wenn es dem König sagt, wie lange er noch zu leben habe!”

Nun wurden alle Tage zu Sonntagen, die Buben schnitten sich Degen aus Holz, klebten Papierhelme, gürteten farbige Bänder um den Leib, und das Mädchen tanzte, wo immer sie ging und stand. Die Mär, daß Riesele in den Zirkus komme, wußte bald die ganze Jugend des Dorfes. Hüpfseile, Springreife, goldige Schnüren, Soldatengerät aller Art tauchten auf, und auch die Alten betrachteten das Tierchen mit den Augen ihrer Komödiantentage, wie jeder Mensch sie mit sich durchs Leben trägt. Das ganze Dorf begann inmitten der grauen Kartoffelernte zu leuchten im zukünftigen Glanze des kleinen Riesele, und alle sagten:

„Er hat sein Glück gemacht!”

„Glücklich sein, ist nicht Glück,” sagte der Bauer Klaus zum Herrn Pfarrer, „glücklich machen, das ist Glück! Oder wie denken Sie über diesen Fall, Herr Paschtohr?”

„Da ist nicht viel zu denken, Freund Klaus: wer sein Glück darin findet, daß er glücklich macht, der ist wahrlich ein kleiner Heiland!”

Als jedoch die drei Wochen herum waren und der Fremde wieder kam, da wollte niemand das Riesele hergeben. Die ganze Stube war voller Kinder, aber das Riesele stampfte ungestüm in seinem Hag, als wisse es, was geschehen solle, und als wolle es möglichst rasch fort in den Zirkus.

Der Fremde zählte zwei lange Reihen dicker Silbermünzen auf den eichenen Tisch, der Vater überzählte sie, indem er mit zwei Fingern auf je zwei tupfte und sie ein bißchen höher schob, und die Mutter hielt die Daumenspitze zwischen den Zähnen.

Die Buben liefen hinaus, wie sie das viele Geld sahen, und die Stube leerte sich fast. Trudel trat betrübt zur Mutter, und als die Mutter sie auf den Arm nahm, kollerten dem Kinde die Tränen aus den Augen, und es sagte ganz laut:

„Jetzt verkaufen wir das Riesele, wie die Brüder den Joseph verkauft haben um dreißig Silberlinge; da hätten wir das Riesele doch Joseph nennen sollen, wie's noch ganz klein war!”

Die Mutter konnte die Tränen auch nicht verbeißen, sie sah den Vater an und sagte: