Was mochte nur los sein? Warum durfte Dauphin nicht dabei sein?
Dauphin wurde mit seinen sieben Genossen zu zweimal Vieren zusammengekoppelt und gleich einer Kinderschule ausgeführt. Alle Straßen der Stadt und alle Straßen außer der Stadt waren voller Soldaten; Regimenter marschierten dahin und dorthin und sangen, Automobile, mit dem roten Kreuz geschmückt, rasten, hundert hintereinander, die Hauptstraße hin, Pferde und immer wieder Pferde, mehr Pferde als Menschen!
Auf der Brückenrampe sah Dauphin seinen Freund Wallenstein, der mit fünf dicken Gäulen eine riesige Kanone die Rampe hinaufzog. Als Wallenstein Dauphin sah, wieherte er, schlug einen leichten Trab an und zog ganz mörderisch an seinen Strängen. Welch eine Wonne mußte das sein für ihn!
Wie gern hätte Dauphin geholfen, mit der Kraft seiner Muskeln die Kanone ziehen, — er hatte in der Arena schon manche Kanone gezogen —, aber er war an den schäbigen Rest der einstigen Zirkusherrlichkeit gefesselt und konnte sich nicht befreien. Seine Augen wölbten sich und bettelten: „Wallenstein!! Komm, Großer, Starker, hilf, hilf doch deinem kleinen Freunde!” Aber der hatte keine Zeit, und Dauphin mußte zurück, heimzu, hinter seine Sacktür.
Täglich wurden die Acht ausgeführt. Die Sieben foppten Dauphin, rissen, wenn er außen ging, die Koppel nach links, daß er mit den Hinterbeinen aus dem Glied treten mußte und vom Wärter einen Schlag bekam. Wenn er innen ging, zerrten sie sich nach den Seiten von ihm weg, daß die Wärter meinen mußten, er, Dauphin, sei der Störenfried, der seine Nachbarn belästige. Ging er im vorderen Glied, so wurde er gekitzelt, ging er im hinteren, so flog ihm irgendein Pferdeschweif über die Augen. Es geschah selbst, daß der oberflächliche Schimmel, nur um dem Wärter darzutun, er sei belästigt worden, aufs Geratewohl nach hinten gegen Dauphin ausfeuerte und zurücksah, und der Wärter, der seine Pferde nicht kannte — und besonders Dauphin nicht kannte —, sah seitab nach den lauten Dingen der Straße, und hieb ohne weiteres immer auf Dauphin ein. Oh, wenn Wallenstein dabei gewesen wäre!
Eines Tages kam ein Offizier mit breiten, roten Streifen an den Beinkleidern. Er hielt eine Zeitung in der Hand und sagte:
„Wo ist Dauphin?”
Dauphin wurde losgebunden und aus dem Stall geführt, und die sieben Gesellen mußten zurückbleiben. Der Offizier strich ihm über die Ohren und sagte:
„Stark genug ist er schon!”
„Er hat Qualitäten und steht auf dem Höhepunkt seiner Kraft,” entgegnete der Direktor, und Dauphin, der die Stunde der Befreiung, die Stunde seiner Tauglichkeit ahnte, nickte lebhaft mit dem Kopfe und scharrte mit dem linken Vorderbein, spürte fast den stolzen Husarenbusch, den er seit Wochen nicht mehr getragen, zwischen seinen Ohren schwanken und streckte die Nüstern gegen des Befreiers braunbekleidete Hand.