Hinter Romanshorn begann ein Scheinwerfer aufzudrehen. Er warf einen Lichtbalken in den Himmel. Der Balken senkte sich, die Finsternis durchtastend, genau suchend und verweilend, nach der Seemitte aufs Wasser. Bald stieg er wieder rasch in den Himmel und fiel erbarmungslos auf die Stelle zu, wo Mabuses Boot hielt.
Mabuse zitterten die Fußgelenke vor Spannung.
Aber auf einmal blieb die Säule von Licht an einem hervorstehenden Haus in Romanshorn hängen, dort, wo auf dem Hügel am Ufer die neue Kirche war. Daraus sahen sie im Boot, daß das andere Fahrzeug weit hinter Romanshorn sein mußte und keine Gefahr bedeutete. Ihr Boot blieb im Dunkel. Im Bahnhof am Ufer hingen weit verteilt einige Bogenlampen. Ihr Schein spielte fern auf dem schwarzen Wasser, wie blaßleuchtende Leichen schaukelnd, vergehend, wieder emportauchend.
Da sagte Mabuse streng: „Nein, wir bleiben! Sagen Sie Georg, er solle die Luftdruck-Mitrailleuse an den Motor anschalten.“
Spoerri ging.
Unter dem Polster war ein Giftgas-Apparat. Mabuse zog den Schlauch hervor. Der Wind kam von Südosten, also dafür aus guter Richtung. Er bereitete für sich und seine Begleiter die Masken und versuchte den Öffnungshahn.
Da erschien am Ufer ein Licht, verging schnell, kam wieder, zuckte fort und blieb dann.
Der Motor knurrte wieder an. Bald fuhr das Boot in den Bach hinein, zwang sich zwischen Bäumen weiter und stieß dann sacht an. Der Motor schwieg, und ein Mann reichte vom Land aus ein Tau.
Dann hörte Mabuse den Namen Dr. Ebenhügel. „Ja,“ sagte Mabuse, „er soll ins Boot kommen.“
Eine Gestalt trat aufs Boot herüber. „Doktor Mabuse, ich, Ebenhügel. Ich komme gerade von Zürich. Mein Auto ist schuld, daß Säuli das Zeichen nicht pünktlich gab. Die Grenzer-Automobile spuken jetzt jede Nacht herum. Bekamen Sie mein Telegramm? Es ist etwas los. Der Schreiber hat gewarnt. Er konnte nicht sagen, was es ist. Er erfuhr nur aus einer Antwort seines Bureauvorstandes, daß es über das Generalkonsulat in Zürich von der Münchner Staatsanwaltschaft kam.“