Das Fräulein hüpfte zur Saaltür, während Karla in die Wohnstube ging.
Auf dem Mitteltisch stand noch unabgeräumt das Morgenfrühstück. Meißner Tasse, Silberkörbchen, so wie Papa es jetzt liebte. Die Schachzeitung lag aufgeschlagen neben der Tasse; am Rande hatte er mit dem Bleistift Notizen gemacht.
Auf der anderen Seite des Tisches stand Paulinens Arbeitskörbchen, angefüllt mit Florstrümpfen in allen Farben.
„Ja — Kleine ... was gibt’s? Du mußt entschuldigen ... ich habe zu tun.“ ...
Der Papa war in kurzen, hellgrauen Kniehosen und Escarpins. Ein blütenweißes, weiches Hemd bauschte sich unter den hellblauseidenen Trägern. Statt eines Kragens umgab ein weißseidenes, weiches Tuch seinen Hals. Die weiße Locke klebte ihm feucht an der Stirn, und seine Finger zwirbelten an einem weißen Batisttuch, von dem ein durchdringender Fliederduft ausging.
„Gratuliere übrigens zu dem Engagement. Scharmant, scharmant! Was kriegst du eigentlich?“
Er warf dabei einen scharfen Blick auf den Tisch, versenkte zwei Finger in die Zuckerdose, tauchte das ergriffene Stückchen in die Sahnenkanne und zerdrückte es mit leise schnalzendem Geräusch am Gaumen.
Karla nannte die Summe und wollte weitersprechen. Aber er schnitt ihr das Wort ab, mit einer kurzen, eleganten Bewegung seiner kleinen Hand.
„Wenig, liebes Kind — sehr wenig. Hoffentlich kommst du aus. Fährt Altmann mit, ja? ... Gut, gut. Dein Mann scheint ein sparsamer Herr zu sein. Einer muß sparen können in der Ehe. Ich hab’s nie gekonnt .... Dafür ... tja ... na ... das sind alte Geschichten. Pauline ist übrigens auch sparsam — aber mit Maß. Habe die Kündigung zurückgenommen ... tja. War immerhin nett gemeint, daß sie dich behielt. Wie geht’s dem kleinen Fräulein, wenn man fragen darf? Gut, ja? Wann fahrt ihr?“
Er tauchte ein zweites Stück Zucker in das Kännchen, mit zierlich gespreizten Fingern.