Er kannte jetzt seinen Schwager. Der war rasch umnebelt! Hatte ihn, wer wollte. Der Augenblick war alles bei ihm.
Dr. Maurer mochte wohl dasselbe denken. Und er spürte wieder den Brodem der Kaffeegemütlichkeit, die ihn eingefangen, den herben Glanz seines kurzen geistigen Aufstieges, den Rausch, den er vom grünen Rasen mitgebracht — alles versunken im trüben Alltag; nichts Helles, Befreiendes war in seinem Leben mehr. Eine abgearbeitete Frau, zwei Kinder, die ihm noch wenig Freude machten, eine enge Häuslichkeit und Stöße von Heften, die er mit Strömen roter Tinte durchzog — ein Jahr ums andere.
Es kam vor, was sonst nie geschehen war, daß er, selbst wenn er den Abend zu Hause verbracht hatte, das Schlafzimmer erst aufsuchte, wenn Adele fest schlief. Er saß in der Wohnstube und las und rauchte.
Wenn aber Karla gesungen hatte, dann ging er leise in sein Zimmer, blendete die Lampe ab, damit sie Fritz nicht wecke, der seinen schweren Jugendschlaf schlief — und setzte sich an den Schreibtisch.
Er tauchte auch die Feder ein und schrieb. Schrieb eine Seite, die zweite. Dann strich er alles wieder durch oder zerriß es ... ganz leise — in heimlicher, verbissener Wut, die keinen Ausweg wußte. — —
Am Vorabend der Reise hatte Adele eine von Altmann gestiftete Ananas zur Bowle aufgesetzt. Die Kinder hatten aufbleiben dürfen, und Karla lief in einem alten Fähnchen herum, denn die neuen Kleider lagen schon in den offenen Koffern, und das Reisekleid aus dunklem Braun, mit hübschen, hellen Lederklappen sollte erst morgen eingeweiht werden.
Schmerzchen schlummerte tief und ahnungslos in ihrem Wagen, die Flasche im Arm. Adele dachte an ihre Nachtruhe und hatte Karla strengstens untersagt, das Kind noch einmal herauszunehmen.
„Nein, nein“, versprach Karla und ballte ihr nasses Taschentuch zusammen.
„Ich tu’ ja nichts ... nur ansehen muß ich es ... ansehen ...“
Luise legte streng mahnend den Arm um sie.