Sie wurde stiller. Als hätte sich grauer Nebel auf alle Freudigkeit und Spannkraft ihrer Seele gelegt.

Es kam vor, daß, wenn Schmerzchen ihr ein Spiel vorschlug, sie sich mit einem Kuß loskaufte ...

Der Tag von Karlas Abreise war angebrochen. Karla hatte fast ihre frischen Farben verloren — beinahe wäre Altmann doch mit ihr gefahren, weil er ihr stilles und gedrücktes Wesen der Angst vor dem Wiener Auftreten zuschrieb.

Auch jetzt noch, am frühen Nachmittag, sagte er:

„Du weißt, Karla ... wenn du mich brauchst, wenn es dir eine Beruhigung ist ... meine paar Sachen sind gleich gepackt ...“

Vielleicht hoffte er, sie würde sagen: „ja, ich brauch dich.“ Aber es wäre eine Lüge gewesen, und sie sagte es nicht.

Sie dankte nur ein bißchen matt. Die Fürstin würde sich ihrer annehmen in Wien.

„Ja ... das ist auch mir eine Beruhigung“, gab Luise zu. „Das scheint ja eine ganz reizende Dame zu sein ....“

Luise hatte gar nichts mehr gegen die Fürstin Reichenberg, seit Karla ihr den letzten Brief zu lesen gegeben. Die Fürstin hatte für den Vorabend ihres Auftretens einen großen musikalischen Abend bei sich anberaumt, Karla sollte singen und sich gleich Publikum schaffen.

„... alle unsere Freunde sind schon sehr gespannt auf Sie und freuen sich. Von meinem Bruder erhielt ich Nachricht aus Kairo, wo er einen Bronchialkatarrh auskuriert. Mein Mann küßt Ihnen die Hand ....“