„Reichlich.“
Fürst Reichenberg, unnachahmlich vornehm und elegant, mit seiner müden, vornübergebeugten, hageren Gestalt, tauchte die Fingerspitzen in die silberne Wasserschale.
„Eine furchtbare norddeutsche Gewohnheit, dieses ewige Auf-die-Uhr-schauen“, meinte er. „Habt ihr den Rhythmus der Zeit nicht im Blut — aus der Westentasche seine Tagesbefehle holen ... nehmt’s mir nicht übel, aber das find’ ich schrecklich! Das könnt’ mir das Leben verleiden. Oder brauchens auch immer den Metronom, gnä’ Frau?“
Er küßte Karla die Hand — ein bißchen lässig, wie er alles tat, aber mit einem in seiner Weichheit fast zärtlichen Blick in den gleichsam ausgewaschenen, hellen, länglichen Augen.
Karla lachte.
„Ich komme immer zu spät — trotz all meiner Uhren, denn ich sehe nie hin.“
Gaudlitz faßte ihre beiden Hände, umschloß sie mit den seinen.
„Ich seh’ schon — jetzt muß ich dir eine Uhr schenken. Die wirst du doch ansehen ... oder etwa nicht?“
Er sagte es flüsternd, daß nur sie allein das „Du“ hören konnte. Aber sie wurde doch rot. Zu rasch war alles gekommen. Noch war ihr diese äußere Nähe zu ungewohnt. Keine Werbung war vorangegangen, kaum eine Frage.
Während sie mit Reichenbergs am Morgen nach ihrem letzten Auftreten in Bayreuth im Hotelgarten frühstückte, war er plötzlich die kurze Allee heruntergekommen, hatte seinen Strohhut geschwenkt, war an den Tisch getreten.