Die Kinder wurden hereingeschleppt, die „unschuldigen Würmer“. Die heulten auch mit, ohne zu wissen, warum. Es war ein Höllenlärm. Dr. Alwin Maurer, der nichts hatte wissen wollen von irgendwelcher Zurücknahme seiner Worte, fühlte die zerrenden Finger seines kleinen Mädchens, seines Jungen ... Um seine Ohren gellte das Schreien der Kinder, das Jammern der Frauen.
„Revoziere! Revoziere!“ ...
Adelens nasse Wangen lagen an den seinen. Luise drückte krampfhaft seine Hand, zeigte pathetisch auf das schwarzgerahmte Bild der Mutter:
„Wenn sie das erlebt hätte — sie, die so viel von dir gehalten!“ Zeigte die alten, gediegenen Möbel, die einst der Inbegriff allen Behagens für ihn gewesen: „Wovon lebt Ihr denn, wenn du deine Stellung verlierst, wenn du versetzt wirst? ... Dann kannst du alles für ein paar Groschen verschleudern ....“
Die Angst kroch langsam aus Alwin Maurers verborgensten Herzenswinkeln heraus:
„Aber,“ ... stammelte er, „aber“ .... Nichts anderes.
Er ließ sich zu seinem Schreibtisch schleifen. Die Frauen standen ihm zur Seite: rechts Luise, links Adele. Sie beugten ihre Köpfe über seine Mappe; die eine reichte ihm Briefpapier, die andere tauchte seine Feder in die Tinte.
„Revoziere!“
Ihm war, als hätten sie ihm sein Gehirn aus der Schale gelöst und stocherten mit ihren Fingern darin herum .... Er hatte keinen Gedanken mehr, kein Gefühl .... Nicht für das Tragische seiner Lage, nicht für das Lächerliche.
Er schrieb, strich aus — fing wieder an.