„Alice!“
Streckte die Hände von sich, packte ihn am Arm, zog sich an ihn heran, weil die Füße ihr den Dienst fast versagten, bohrte ihre Augen in sein — wie sie jetzt erst sah — leichenfahles Gesicht.
„So reden Sie doch ... reden Sie ... was ist mit ihr ... was? ...“
„Alice .. ist es .. auch nicht .. Der Bruder .. der Gaudlitz .. Ja, um Gottes willen .. schauen’s mich nit so an .. Er ist .. ich hab ein .. ein Telegramm ... vor einer Stunde .. Herzschlag .. beim Baden .. nach dem Reiten ... Den Bleß hat er g’ritten ... Ich habs g’wußt ... erschießen lassen hätt ich das Vieh sollen ... hat ihn abg’worfen ... Da ist er halt voll Wut losg’schwommen ... wollt’ sich abkühlen, und dann — — dann haben’s ihn eben noch im letzten Augenblick mit’m Boot g’holt ... Aber im Boot gleich ... ist er dann — ja — also gleich darauf im Boot ... Das Telegramm ist aus Wannsee .. vom Baron von Rahn unterzeichnet .. ein Bekannter aus dem Automobilklub. Der war wohl gerade dort ... wie das g’schehn ist — —“
Reichenberg hätte noch lange sprechen können ... sehr lange ... Daß er’s tat, wußte er kaum ... Die Worte sickerten ihm über die Lippen wie Blutstropfen .. schwer, heiß ... Er wußte viel, auf wen sie herabfielen. Er stierte vor sich hin, ohne zu sehen. Wußte wohl auch kaum mehr, daß er zu Karla sprach ... Nur wie er vortreten wollte, weil er doch nicht ewig so vor sich herreden konnte — da stieß sein Fuß an etwas, das ihm im Wege lag — —
Ohne einen Laut — wie gefällt von einem Streich — war Karla umgesunken. Sie lag besinnungslos auf dem halbzusammengerollten Teppich, inmitten von offenen Kisten und halbgefüllten Koffern, von zerrissenen Briefen, Karten und alten Theaterzetteln. — —
Im Spätnachmittag, in seinem Schachklub — den grauen Zylinder auf dem weißen Lockenkopf, den dünnen Stock mit dem Goldknauf unterm Arm, blätterte der Papa noch rasch die Abendzeitung durch.
„Wie denn ... was denn ...?“