„Ja — merkt man es denn wirklich schon so sehr?“ fragte Karla.
Sie war unbändig stolz. Und gleich darauf wurde sie redselig.
Schrecklich war das Verheiratetsein, ohne ein Kind zu haben! Man kam sich eigentlich gar nicht recht verheiratet vor! Ein bißchen was mußte man doch voraushaben vor denen, die sich zusammentaten, weil sie gerade auf ein paar Jahre an derselben Bühne engagiert waren! Wenn’s nach ihr ging, würde sie ein Dutzend Kinder haben wollen. Aber das ginge wohl nicht, wegen ihrer Stimme. Schreckliche Angst hatte sie, die Stimme zu verlieren! Dann lieber gar kein Kind! Wenn das passierte — dann ... ja, gewiß, dann würde sie ihr Kind nicht mehr ansehen können — na, und liebhaben schon gar nicht! Aber sonst — auffressen würde sie es vor Liebe! Keinen Augenblick würde sie es allein lassen. Sie würde es sich schon so einrichten, daß sie es in ihre Garderobe mitnehmen könnte! Mitten auf den Schminktisch würde sie es legen, und da sollte es ruhig strampeln. Die Ankleidefrau würde schon aufpassen, so lange sie draußen war! ...
„Nun, ich hoffe, Ernst wird so vernünftig sein, daß er diesen Unfug untersagt“, meinte Adele.
Und Luise Altmann fügte hinzu:
„Wir werden mit Ernst sprechen.“
Karlas kurzes Frohgefühl erlosch. Hätte sie doch nichts gesagt! ... Das hatte sie nun davon! Aber schließlich war sie die Mutter. Sie hatte doch allein das Bestimmungsrecht. Ihr Mann ... ja gewiß. Aber was verstand der von kleinen Kindern, von Mutterangst! ...
Mißmutig und mit halbem Ohr hörte sie auf die Aufzählung der Wäschestücke, die zu einer vollständigen Kleinkinderausstattung gehörten.
„Ja ... na, das sagt man uns schon im Geschäft.“
„Nein, Karla. Das mußt du selbst nähen“, erklärte Adele. „Ich habe eine Nähmaschine und will dir gern dabei helfen.“