Indessen war unten im Saal das schwarze Getränk in Gläser gegossen worden. Einige der Bauern hatten schon getrunken. Ihre Augen begannen zu blitzen. Sie schauten sich anfangs etwas unsicher an, als glaubten sie ihren eigenen Empfindungen nicht. Dann schienen sie sich gegenseitig zu irgend etwas zu ermutigen. Man zögerte noch, aber in jedem Augenblick konnte die Wut ausbrechen.

„Das ist die Revolution!“ rief ich entsetzt. „Diese Bauern werden uns töten. Saint-Germain macht sich über uns lustig, er will uns alle auf der Guillotine sehen.“

Empört und mit unsäglicher Verachtung blickte man sich nach mir um, wie nach einem, der die erregende Vorstellung einer Tragödie durch Nüsseknacken stört.

„Das ist die Revolution!“ rief ich wiederholt.

„Und wenn auch,“ sagte die Marquise, der mein Geschrei nun doch zu viel wurde.

„Damit machen Sie ihnen keine Angst,“ bemerkte der Graf, „übrigens ist es nicht die Revolution.“

Plötzlich packte einer der Bauern seinen Nachbar am Arm, der in ein lautes sinnliches Gelächter ausbrach. Auf dieses Zeichen schienen alle gewartet zu haben. Die vorsichtigen, plumpen Leute schlugen ein brüllendes, johlendes Lachen an. Man schien zu merken, dass sich bisher jeder im geheimen allein für die niedrigste Bestie gehalten und nun freudig überrascht war, die andern genau ebenso zu finden. Jeder trug plötzlich zum grössten Erstaunen seiner Nachbarn die wohlbekannten, von der Kirche verbotenen Begierden auf der Stirn geschrieben. Sie schienen sich auf einmal gegenseitig in ihrer Tierheit zu entdecken. Einer drückte sich gierig an den andern, wobei vorläufig das Geschlecht gar keine Rolle spielte.

„Du Mordskerl . . . . Du Luder . . . .“ riefen sie und schlugen sich gegenseitig auf den Bauch.

„Sie sehen, dass das für uns ganz ungefährlich ist,“ flüsterte mir der Graf lächelnd zu.

„Ich muss mich entblössen,“ rief ein junges Bauernweib.