„Wer bist du?“ fragte ich fast sprachlos vor Überraschung, denn bis dahin hatte ich allen Grund gehabt, in meiner Begleiterin eine etwas ausgelassene Dame der Gesellschaft zu vermuten.
„Du bist dumm,“ sagte sie. Ihre dunklen Augen blitzten unter der Maske. Sie zog mich in eine Seitengasse.
„Bist du wirklich eine Marchesina?“ fragte ich verlegen.
„Lächerlich, ein Spitzname.“
„Wer ist Ersilia?“ forschte ich nach einer Pause.
„Ach, die arme Schwester Ersilia!“ seufzte sie, doch nicht sehr ergriffen, „sie muss sterben, sie flüstert mit ihrer Heiligen und sieht nicht, was wir tun.“
Ich erschrak, ohne nachzudenken, warum.
„Ich bin ein gutes Mädchen,“ fuhr sie fort, „ich schenke nicht allen meine Liebe, aber ich bin arm.“
Nun glaubte ich zu wissen, woran ich mich halten konnte. Ihre weiche offene Harmlosigkeit entzückte mich.
Kühle feuchte Morgenluft umwehte uns. Wir gingen schweigend durch die finsteren Gassen und überschritten zahllose schmale Kanäle. Dolcisa wollte um keinen Preis eine Gondel nehmen. Niemand begegnete uns.