„Mach doch Licht,“ sagte ich ein wenig gedrückt.

„Nein, nein; es ist alles so einfach und ärmlich. Wir müssen hier oben wohnen, denn die grossen Säle sind im Winter so kalt; sie sollen auch erst hergerichtet werden. Aber wir haben unser Geld verloren.“

„Bist du eine Marchesina?“ fragte ich wieder erstaunt.

„Das kann dir doch gleich sein. Du bist noch ein rechtes Kind.“

Hatte ich sie verletzt? Sie trat an die Wand, wo ein buntes Wachsbild der Muttergottes hing. Davor züngelte hinter rotem Glas ein Ölflämmlein, dessen Schein das Bild rosig benetzte. Dolcisa blies nach der Flamme.

„Was machst du?“ fragte ich unruhig.

„So sieht die Madonna nicht, was wir tun.“

Dann kam sie zu mir; wir sanken auf ein Lager und dieses Mal genoss ich die sanfte, schwere, fast etwas träge Umarmung einer Venezianerin.

Dolcisa erhob sich zuerst. Nackt ging sie in das andere Gemach, in das nun auch die Dämmerung drang. Sie näherte sich dem Lager, wo ich vorher gelegen und schob die Hand unter die Laken.

„Tot!“ rief sie plötzlich mit leichtem Schrecken. Willenlos sank sie vor dem Bett auf die Knie. Das nackte Weib betete im Dämmerlicht.