Nach zwei oder drei Minuten furchtbaren Schweigens wandte sich Dorian um, ging zu ihm hin, stellte sich hinter ihn und legte ihm die Hand auf die Schulter.

„Es tut mir so leid um dich, Alan,“ flüsterte er, „aber du läßt mir keine Wahl. Ich habe den Brief schon geschrieben. Hier ist er. Du siehst die Adresse. Wenn du mir nicht hilfst, muß ich ihn abschicken. Du weißt, was darauf erfolgt. Aber du wirst mir helfen. Es ist unmöglich, daß du jetzt noch nein sagst. Ich wollte dir das ersparen. Du mußt mir die Gerechtigkeit widerfahren lassen, das zuzugeben. Du warst bitter, hart, beleidigend. Du hast mich behandelt, wie es nie ein Mensch gewagt hat, mich zu behandeln. Wenigstens kein lebender Mensch. Ich ertrug es alles. Jetzt ist es an mir, Bedingungen zu diktieren.“

Campbell vergrub sein Gesicht in den Händen und ein Frösteln überlief ihn.

„Ja, jetzt ist die Reihe an mir, Bedingungen zu diktieren, Alan. Du weißt, was ich verlange. Die Sache ist ganz einfach. Komm, schraube dich nicht in ein Fieber hinein. Die Sache muß geschehen. Schau ihr ins Gesicht und vollbringe sie.“

Ein Stöhnen klang von Campbells Lippen, und er zitterte am ganzen Leibe. Das Ticken der Uhr auf dem Kaminsims schien ihm die Zeit in einzelne Atome eines Todeskampfes zu zerstückeln, von denen das kleinste schon zu schrecklich war, um es zu ertragen. Er hatte das Gefühl, als ob ein eiserner Ring um seine Stirn nach und nach festgespannt wurde, als ob die Schande, mit der man ihn bedrohte, schon über ihn käme. Die Hand auf seiner Schulter beschwerte ihn wie ein Gewicht von Blei. Sie war unerträglich. Sie schien ihn zu zerquetschen.

„Komm, Alan, du mußt dich gleich entscheiden.“

„Ich kann es nicht tun“, sagte er mechanisch, als könnten die Worte etwas ändern.

„Du mußt. Du hast keine Wahl. Zaudere nicht.“

Er schwankte einen Augenblick. „Ist ein Ofen da oben?“

„Ja, ein Gasofen mit Asbest.“