Lord Henry sah in die Richtung, wohin die behandschuhte Hand zitternd wies. „Ja,“ sagte er lächelnd, „ich sehe da den Gärtner auf dich warten. Er will dich vermutlich fragen, welche Blumen du heute auf dem Tisch haben willst. Wie lächerlich nervös du heute bist, lieber Junge! Du mußt gleich meinen Doktor konsultieren, wenn wir wieder in der Stadt sind.“
Dorian seufzte erleichtert auf, als er den Gärtner herankommen sah. Der Mann legte die Hand an den Hut, blickte erst zaudernd auf Lord Henry und zog dann einen Brief hervor, den er seinem Herrn überreichte. „Ihre Gnaden hat mir aufgetragen, auf Antwort zu warten“, sagte er halblaut.
Dorian steckte den Brief in die Tasche. „Sagen Sie Ihrer Gnaden, ich würde kommen“, sagte er kühl. Der Mann kehrte um und schritt rasch dem Hause zu.
„Wie gern doch die Frauen gefährliche Dinge tun!“ sagte Lord Henry lachend. „Das ist eine von ihren Eigenschaften, die ich am meisten bewundere. Eine Frau ist mit jedem auf der Welt zu flirten bereit, solange andere Leute dabei Zuschauer sind.“
„Wie gern du doch gefährliche Dinge sagst, Harry! In diesem Falle bist du aber ganz auf dem Holzwege. Ich habe die Herzogin sehr gern, aber ich liebe sie nicht.“
„Und die Herzogin liebt dich sehr, aber sie hat dich nicht gern, also paßt ihr beide famos zusammen.“
„Du machst Klatschereien, Harry, und diesmal ist gar kein Grund zu Klatschereien vorhanden.“
„Die Grundlage für jeden Klatsch ist eine unmoralische Verläßlichkeit“, sagte Lord Henry und zündete sich eine Zigarette an.
„Du würdest jeden von uns bloßstellen, Harry, um einen Witz zu machen.“