Da hielt er einen Augenblick inne und wurde sich bewußt, daß er vor der Schwelle einer Entdeckung stehe, die ihm entweder ein neues Leben gab oder es zerstörte. Dann stieß er die Tür auf und trat ein.

Auf einem Haufen Säcke im entferntesten Winkel lag der tote Körper eines Mannes, bekleidet mit einem groben Blusenhemd und blauen Hosen. Ein unsauberes Taschentuch war ihm übers Gesicht gebreitet worden. Eine billige Kerze steckte in einer Flasche und flackerte düster.

Dorian Gray schauerte. Er fühlte, daß er nicht mit eigener Hand das Taschentuch wegziehen könne, und rief nach einem der Stallknechte.

„Nehmen Sie das da vom Gesicht weg. Ich will es sehen“, sagte er und hielt sich an dem Türpfosten fest.

Als es der Knecht getan hatte, machte er einen Schritt nach vorn. Ein Freudenschrei kam von seinen Lippen. Der Mann, der im Dickicht erschossen worden war, war James Vane.

Er stand einige Minuten da und starrte auf den toten Körper. Als er nach Hause ritt, waren seine Augen von Tränen umschleiert, denn er wußte jetzt, daß er gerettet war.

Neunzehntes Kapitel

„Es hat gar keinen Sinn, mir zu erzählen, daß du gut werden willst!“ rief Lord Henry und tauchte seine weißen Finger in eine rote, mit Rosenwasser gefüllte Kupferschale. „Du bist vollkommen. Bitte ändere dich nicht.“

Dorian Gray schüttelte den Kopf. „Nein, Harry, ich habe zuviel gräßliche Dinge getan in meinem Leben. Ich will keine mehr tun. Ich habe gestern mit meinen guten Taten den Anfang gemacht.“

„Wo warst du gestern?“