Lord Henry zuckte die Achseln. „Es ist der wahre Dorian Gray — sonst nichts.“

„Das ist er nicht.“

„Wenn er es nicht ist, was habe ich damit zu schaffen?“

„Du hättest weggehen sollen, als ich dich darum bat“, grollte er.

„Ich blieb, als du mich darum batest“, war Lord Henrys Erwiderung.

„Harry, ich kann nicht auf einmal mit meinen beiden besten Freunden Streit anfangen, aber ihr beide habt schuld, daß ich das beste Stück, das mir je gelungen ist, hassen muß, und ich werde es vernichten. Ist es schließlich mehr als Leinwand und Farbe? Ich will es nicht eingreifen lassen in drei Leben und sie zerstören.“

Dorian Gray hob seinen goldschimmernden Kopf von dem Kissen und blickte ihn mit bleichem Gesicht und tränenfeuchten Augen an, als er zu dem Maltische aus Kiefernholz trat, der unter dem hohen verhängten Fenster stand. Was wollte Basil beginnen? Seine Finger wühlten zwischen dem Wust von Blechtuben und trockenen Pinseln herum, als suchten sie etwas. Ja, sie suchten das lange Schabmesser mit der schmalen Klinge aus schmiegsamem Stahl. Endlich hatte er es gefunden. Er wollte die Leinwand zerschlitzen.

Mit einem erstickten Schluchzen sprang der Jüngling vom Diwan auf, schoß auf Hallward zu, riß ihm das Messer aus der Hand und schleuderte es in den äußersten Winkel des Ateliers. „Tu es nicht, Basil, tu es nicht“, schrie er. „Es wäre Mord.“

„Ich freue mich, daß dir meine Arbeit endlich doch gefällt, Dorian“, sagte der Maler kühl, als er sich von seinem Erstaunen erholt hatte. „Ich hätte es gar nicht geglaubt.“

„Gefällt? Ich bin verliebt in dies Bild, Basil. Es ist ja ein Teil von mir selbst. Ich fühle es.“