„Der Jude wollte mir ihre Lebensgeschichte erzählen, aber ich bemerkte, sie interessiere mich nicht.“
„Da hattest du recht. Die Tragödien anderer Leute haben immer etwas unglaublich Gewöhnliches an sich.“
„Sibyl ist das einzige, um das ich mich kümmere. Was geht's mich an, woher sie stammt? Von ihrem kleinen Kopf bis zu ihrem kleinen Fuß ist sie ein himmlisches Wesen. Jeden Abend, den ich erlebe, gehe ich hin, um sie spielen zu sehen, und jeden Abend ist sie entzückender.“
„Ich vermute darin den Grund, weshalb du jetzt nie mehr mit mir zusammen ißt. Ich dachte mir gleich, daß dahinter irgendeine merkwürdige Geschichte stecke. Das ist so, aber es ist nicht ganz, was ich erwartete.“
„Lieber Harry, wir sind jeden Tag entweder beim Frühstück oder beim Abendessen zusammen, und ich bin mehrere Male mit dir in der Oper gewesen“, sagte Dorian und öffnete verwundert seine blauen Augen.
„Du kommst immer furchtbar spät.“
„Ja, ich muß hin und Sibyl spielen sehen, und wenn auch nur einen Akt lang. Ich hungere nach ihrem Anblick, und wenn ich an die himmlische Seele denke, die in diesem zierlichen Elfenbeinkörper eingeschlossen ist, packt mich stille Ehrfurcht.“
„Kannst du heute abend mit mir essen, Dorian?“
Er schüttelte den Kopf. „Heute abend ist sie Imogen,“ antwortete er, „und morgen abend Julia.“