Nach einer Weile zog Lord Henry seine Uhr: „Ich fürchte, ich muß gleich fort, Basil,“ brummte er, „aber bevor ich gehe, mußt du mir noch unbedingt die Frage beantworten, die ich vorhin an dich gerichtet habe.“
„Was war das?“ sagte der Maler, die Augen fest zu Boden gerichtet.
„Na, du weißt doch.“
„Sicher nicht, Harry.“
„Gut, dann will ich's dir nochmals sagen. Du sollst mir erklären, warum du Dorian Grays Porträt nicht ausstellen willst. Ich bestehe darauf, den wirklichen Grund zu wissen.“
„Ich habe dir den wirklichen Grund schon gesagt.“
„Nein, das hast du nicht getan. Du hast nur gesagt, weil zuviel von dir selbst in dem Bilde stecke. Das ist aber kindisch.“
„Harry,“ sagte Basil Hallward und sah dem anderen gerade ins Gesicht, „jedes Porträt, das mit Gefühl gemalt ist, ist ein Porträt des Künstlers, nicht des Modells. Das Modell ist nur der Anlaß, die Gelegenheit. Nicht dies wird vom Maler enthüllt; nein, der Maler offenbart auf der farbigen Leinwand eher sich selbst. Ich will also dies Bild darum nicht ausstellen, weil ich fürchte, ich habe das Geheimnis meiner eigenen Seele darin aufgedeckt.“
Lord Henry lachte. „Und worin bestünde das?“ fragte er.