„Ich war davon überzeugt. Hast du ihr eine Szene gemacht?“

„Ich war brutal, Harry, offen gesagt, brutal. Aber jetzt ist alles wieder gut. Was geschehen ist, tut mir nicht mehr leid. Es hat mich gelehrt, mich selbst besser kennenzulernen.“

„Ach, Dorian, da bin ich sehr froh, daß du es so auffaßt. Ich fürchtete, dich von Gewissensbissen zermartert zu finden und wie du dir die hübschen lockigen Haare zerraufst.“

„Das habe ich alles durchgemacht“, sagte Dorian und schüttelte lächelnd den Kopf. „Jetzt bin ich vollkommen glücklich. Vor allem weiß ich jetzt, was es heißt, ein Gewissen zu haben. Es ist nicht das, was du mir gesagt hast. Es ist das Göttlichste in uns. Spotte nicht darüber, nie mehr, Harry — wenigstens nie mehr in meiner Gegenwart. Ich will jetzt gut sein. Ich kann den Gedanken nicht ertragen, meine Seele befleckt zu haben.“

„Wirklich eine entzückende, künstlerische Grundlage für Moral, Dorian. Ich gratuliere dir dazu. Aber wie willst du damit anfangen?“

„Indem ich Sibyl Vane heirate.“

„Sibyl Vane heiraten?“ schrie Lord Henry auf, erhob sich und sah ihn mit der bestürztesten Verwunderung an. „Aber mein lieber Dorian —“

„Ja, Harry, ich weiß, was du sagen willst. Irgend etwas Häßliches über die Ehe. Sag' es nicht. Sag' mir nie wieder solche Dinge. Vor zwei Tagen habe ich Sibyl gebeten, mich zu heiraten. Ich werde mein Wort nicht brechen. Sie soll meine Frau werden.“

„Deine Frau, Dorian... Hast du denn meinen Brief nicht bekommen? Ich habe dir heute früh geschrieben und schickte die Mitteilung durch meinen Diener her.“