»Wollen Sie mir nicht helfen?« fragte sie verwundert, »Sie haben mir’s doch versprochen!« Und sie ging voraus.

»Was habe ich versprochen?« dachte er beunruhigt.

Sie führte ihn durch einen langen Gang, nahm eine kleine Laterne, die dort in einer Ecke hing und stieg eine schmale gewundene Treppe hinab. Auf den untersten Stufen blieb sie stehen und wandte sich um: »Ich bekomme ihn allein nicht herauf!« flüsterte sie, »er ist schwer!« Sie stellte die Laterne nieder und suchte in der Tasche. Dann steckte sie den Schlüssel ins Schloß, er knackte zweimal. Die niedrige alte Kellertür fiel schwer gegen die Mauer. Ein unerträglicher Geruch, der schon auf der Treppe zu merken gewesen war, schlug ihnen entgegen. Sie hob die Laterne hoch. Der Lichtkreis erreichte eine breite Mannsgestalt, die aufrecht an der Wand lehnte. Es war keine Leiche.

»So ist er seither,« flüsterte sie.

Ein ganz von Bart überwachsenes Gesicht mit gläsernem Tierblick neigte sich vor, schwer gelallte Laute bewegten den Mund und hagere Hände mit sehr langen Fingernägeln griffen nach dem Licht.

»Also warum fassen Sie nicht zu?« flehte sie gequält, »ich werde Ihnen dann schon helfen!«

Richner streckte mechanisch die Hand nach der Schulter des Mannes aus.

Mit einem tiefen grollenden Knurren aus geschlossenem Mund zog der Mann Arme und Beine an sich und preßte den Leib trotzig gegen die Wand.

Mochte es nun der Geruch in dem Raum sein, das langgezogene wie von fernher drohende Hundeknurren oder die Berührung der Fingerspitzen mit dem haarigen Hals, der so kühl und feucht wie die Mauer war, — über Richner schlug ein übermächtiges Grauen zusammen. Er sprang hinaus. Ein gellendes Gelächter folgte ihm die Treppe hinauf.

Er stand auf der Straße. Etwas saß ihm im Rücken und peitschte ihn wie Kinder im Dunkel, hinunter zwischen bewohnte Häuser zu kommen, unter Menschen!