[[←]] III. Ueber die Molluskenfauna Centralafrikas.

Von Dr. Rudolf Sturany, Wien.
[Mit Tafel XXIV und XXV.]

Dr. Oscar Baumann hat auf seiner letzten Reise eine Anzahl Schnecken- und Muschelschalen gesammelt, welche hauptsächlich dem Tanganyika-, Victoria- und Manyara-See entstammen und über welche im Folgenden durch namentliche Aufzählung der Arten eingehend berichtet werden soll.

Bei der Durchsicht und dem Studium der sehr umfangreichen Literatur[27], welche ich zu Rathe ziehen musste, um die Bestimmungen durchführen zu können, ward mir bald klar, dass die Fauna des centralen Afrika trotz der wiederholten Aufsammlungen, die dort durch Reisende gemacht worden sind, noch immer unzulänglich bekannt ist; denn schon in der relativ geringen Ausbeute Dr. Baumann's befinden sich Formen, welche von den bisher bekannten Arten so abweichen, dass sie sich mit keiner von diesen gut vereinigen lassen. Ich halte es daher auch für gerathen, diese Formen besonders hervorzuheben, jedoch, — da sie meist nur in so geringer Anzahl vorliegen, dass strikte Diagnosen für diese vermuthlich neuen Arten nicht zu geben sind, — vorläufig bloss in der Weise, dass ich jede derselben unter ihrem unschwer festzustellenden Genus-Namen und einem hintangesetzten nov. sp.? anführe und abbilde; im Texte füge ich bloss noch Maassangaben bei und meine Ansicht über die Verwandtschaft der betreffenden Form. Sieht sich dann einmal ein Fachmann, der über ein grösseres Vergleichsmaterial verfügt, genöthigt, die von mir hier bekannt gegebenen »neuen« Formen aus guten Gründen (z. B. weil Uebergänge gefunden wurden u. dgl.) zu früher schon beschriebenen Arten einzuziehen, so wird mir damit nur die willkommene Aufklärung zu Theil. Die beigegebenen Abbildungen werden aber wohl auch dann noch ihren Werth zumindest für die Orientirung behalten.

Wo mir die Zugehörigkeit zu einer bereits bekannten Art über allen Zweifel erhaben schien, habe ich Abbildungen vermieden; im Uebrigen aber wurde mit Illustrationen nicht gespart, weil ich solche für das wichtigste Moment bei derartigen Publikationen halte.

[[←]] I. Formen aus dem Tanganyika-See.

Nachdem Bourguignat[51] im Jahre 1889 nicht weniger als 271 Arten aus dem Tanganyika-See aufgezählt und in seiner Iconographie[48] und Histoire malacologique[56] eine grosse Anzahl vorzüglicher Abbildungen und genauester Beschreibungen gegeben hat, musste ich der Meinung sein, dass sich die von Dr. Baumann am Nordende des Sees gesammelten Conchylien — es sind dies nicht viele Arten — unter Zuhilfenahme der obigen Hauptwerke mit Leichtigkeit bestimmen lassen würden, und dies umsomehr, als die zahlreichen Aufsammlungen, die im Laufe der Jahre im Tanganyika-See von Reisenden und Missionären (Speke, Thomson, E. Coode Hore, Dr. Kirk, Damon, Dr. Böhm, V. Giraud, L. Joubert, Guillemé, Leroy, Hauttecœur u. A.) gemacht worden sind, die Vermuthung gerechtfertigt erscheinen liessen, dass wenigstens alle an den Ufern des Sees vorkommenden (auffindbaren) Formen bekannt sind. Indess gelang es mir bei den Repräsentanten der Gattungen Rumella und Grandidieria nicht, sie mit voller Gewissheit mit schon beschriebenen Arten zu identificiren, obwohl sie mit mancher derselben grosse Aehnlichkeit besitzen. Die Schuld an diesem Umstande liegt wohl — abgesehen von dem Formenreichthum der Fauna und deren noch immer nicht erschöpften Erforschung — auch in dem Verfahren Bourguignat's, der, wie fast allgemein zugegeben wird, in jeder Localform (Varietät) eine neue Art vermuthet und beschrieben hat und dadurch den Determinator neuen Materiales förmlich zwingt, jede wenn auch schwach abweichende Form, und wenn sie auch mit dieser oder jener der bereits aufgestellten sogenannten Arten unstreitig nahe verwandt ist, wieder zu isoliren. Ich bin auch überzeugt, dass Bourguignat, wenn er noch lebte, die von mir hier abgebildeten Formen von Rumella und Grandidieria ohne Zögern als unbedingt neue Species beschreiben würde.

Die in diesem Kapitel nunmehr aufzuführenden 12 Arten hat Dr. Baumann sämmtlich am Nordende des Tanganyika-Sees, östlich von der Russisi-Mündung, gesammelt.

Planorbis Sudanicus v. Martens.