"Wie hab' ich den Leuten geholfen und was hab' ich davon!—Es ist bloß gut, daß ich meinen Kopf nie verlier', es ist ja bloß gut, daß ich mich nie auf die gleiche Stufe stelle mit—mit—so was."

Und endlich zur Sache gerufen, erzählte sie weitschweifig, daß Johann die Stellung bei diesem Fabrikherrn nicht umsonst angenommen habe. "Und Nachtschicht—er wird schon gewußt haben, warum. Man kennt solche—Nachtschichten!" Und Herr Hochvogel?… Sie geriet etwas in Verwirrung. Nun, der habe bald klar gesehen, ein solcher Herr ließe sich nicht so leicht ins Bockshorn jagen.

"Der muß her! Der muß Zeuge machen!" schrie Anna, und ihr Rechtsanwalt brachte es auch fertig. Nun wurde es aber noch ungünstiger. Obwohl dem Fabrikanten die ganze Sache äußerst unangenehm war, obwohl er sich außerordentlich zurückhielt und nichts gegen Johann eigentlich vorbringen konnte, als eben jenen üblen Vorfall in der Rienkeschen Bar—es machte alles einen schlechten, sehr schlechten Eindruck —Johann Krill wurde verurteilt.

Anna bekam einen minutenlangen Schreikrampf. Sie stürzte vor und wollte auf die Rienken los. Es mußten sie Schutzleute mit Gewalt wegbringen.

Johann, der ohne Erregung den Auftritten zusah, nahm alles mit Ruhe hin. Er lächelte fast verlegen, als ihn die Richter am Schluß fragten, ob er noch etwas zu sagen wünsche.

"Dumm," brummte er und kratzte sich hinter dem rechten Ohr, "dumm,
Herr Richter, man tappt eben hinein und—und dann passiert allerhand."

Die steinernen Amtsmienen wußten einen Augenblick lang wirklich nicht, sollten sie lachen oder einige beruhigende Worte des Mitleids aus ihren Lippen lassen.

Damit war es zu Ende. Anna konnte Johann nun nicht mehr besuchen. Die beiden waren auseinander.—In ihrer Wut schlug Anna einige Tage später die zwei großen Fensterscheiben der Rienkeschen Bar ein und konnte mit Mühe nur überwältigt werden. Das Beil wurde ihr abgenommen und der herbeigerufene Schutzmann nahm sie mit.

Und wieder gab es einen Prozeß. Wegen Bedrohung und Sachbeschädigung wurde Anna Krill zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt.

Hier bricht der Faden ab. Es ist nichts mehr zu berichten.