"Ihre Papiere!—Sind Sie denn taub!" schrie er abermals, wütend über das Aufgehalten werden bei solcher Kälte, und setzte schnell, wie witternd hinzu: "Oder haben Sie keine?"
Der Fremde zog endlich seine erstarrte Hand aus der tiefen Hosentasche und reichte ihm die schmutzigen, durchnäßten Ausweise.
"Karl Pruvik, Klempnergehilfe" stand auf der überleuchteten Invalidenkarte. Herkunft, Geburts—und letzter Dienstort und Datum waren verzeichnet. Abgestempelte Marken klebten auf der ersten Hälfte.
Der Schutzmann steckte das Papier unter den blauen Militärpaß und schlug diesen auf.
"Infanterist Pruvik, Karl.—14. Regiment" orientierte die erste Seite.
"Verwundet bei Luneville (Armschuß rechts), desgleichen bei Tarnopol
(Knieschuß links), verwundet bei Verdun (Schulterschuß links)" war im
Anhang eingetragen, und so und soviele Gefechte und Schlachten erwähnte
das nächste Blatt.
Das Gesicht des Schutzmanns verlor mehr und mehr die stiere Härte, hob sich etwas höher aus dem Mantelkragen.
"Hm!—Auch Kriegsteilnehmer? … Ohne Bleibe, was?" sagte er mit zufriedener Ruhe und streckte dem regungslos Dastehenden die Papiere him. Dessen Gestalt schwankte ein klein wenig nach vorne.
"Hundekälte das! Warten Sie, es geht schon!" rief da der Schutzmann
noch loyaler und steckte dem Mann die Papiere hilfsbereit in die
Rocktasche: "Ist ja noch nicht so spät. Noch alles offen in der Stadt.
Sie kommen sicher unter!"
"So," sagte er eben, als in nächster Nähe die Uhr zehn schlug. Einen
Augenblick horchte er auf, nickte und entfernte sich eilsamen
Schritts. Schon von weitem erspähte er die Ablösung.