Karl Pruvik hob den Kopf hilflos. Eine knappe Wurfweite vor ihm ragte etwas Schwarzes aus dem Schnee und bewegte sich wie schwebend von der Stelle. Willenlos und ohne Grund folgte er der Erscheinung.
Lange ging er so.
Es mußte schon tief nach Mitternacht sein. Trist gähnten die menschenleeren Straßen und Plätze.
Man stand am Rande des Stadtparkes. Die kerzengerade Gestalt verschwand zwischen den Bäumen.
In der aufgeworfenen Bahn der Spur schritt Karl Pruvik weiter. Es war viel dunkler hier. Die schneebeladenen Baumäste lasteten schwer herab. Nur zeitweilig gab sich eine hellere, freiere Stelle und undeutlich ließen sich eingemummte Bänke erkennen. Auf einer solchen hockte die zusammengekauerte Gestalt nun, der er die ganze Zeit gefolgt war. Stoisch ließ sich Karl Pruvik neben ihr nieder und legte wie aus einer plötzlichen Eingebung heraus seinen steifen Arm um nasse, scharfe Schultern. Lahm schmiegten sich die beiden Körper aneinander. "Kalt," murmelte es kaum hörbar aus dem Kopf, der haltlos auf seine Brust herabglitt.
"Kalt," brummte Pruvik ebenso leise und schloß seine Augen. Auch sein
Kopf sank herüber auf das Genick des anderen.
Kein Schnee fiel mehr. Es war seltsam—: Jetzt, da man schonungslos der Kälte ausgeliefert war, wußteman nicht mehr, war's eine rasende Hitze oder eine gänzliche Eisigkeit, was in den Gliedern brütete. Der ganze Körper hatte das Gewicht verloren. Es schien als schwebe er durch eine unsäglich friedliche Stille…. Auf einmal drückte etwas Hartes an den Arm, umklammerte, zerrte. Es schrie wie durch Nebelschwaden, dann näher. Es rüttelte stärker. Das Geschrei schwoll. Der Kopf' an der Brust bewegte sich stumm.
Karl Pruvik öffnete die Augen. Das grelle Licht einer Taschenlaterne stach ihm ins Gesicht, blendete, schmerzte.
"He!—He! Was ist da!!" schrie ein Schutzmann, riß erregt am Arm.
"Was ist denn das! Auf! Auf!!"