Um diese Zeit kam zum Bürgermeister Söllinger eine seltsame Nachricht aus Amerika, betreffend die Familie Jürgert und deren Nachkommen. Der Bauer, der sich, wie er sich ausdrückte, "darin nicht rechtauskannte", schickte zum Pfarrer und dieser entzifferte endlich, daß die Familie Jürgert (Überlebende oder Nachkommen) infolge des Todes eines Bruders des verstorbenen Vaters Michaels zur Generalerbin einer außerordentlich hohen Hinterlassenschaft in barem Geld eingesetzt sei und den Betrag von einer Bank in Hamburg einverlangen könnte, sobald der Nachweis der Erbberechtigung erbracht sei.—
Als der Pfarrer, der selber ein wenig zitterte, dies dem Söllinger auseinandersetzte, erbleichte dieser sichtlichund sank wie vom Schlag getroffen in einen Stuhl.
"Ruhig beibringen, ist das beste. Ich geh' selber zu ihm hinaus," sagte der Geistliche nach einigem Schweigen, nahm seinen Hut, steckte das Papier zu sich und begab sich zu Michael.
Ins Haus getreten, bemerkte er diesen dösig neben dem Herd hockend, und als der geistliche Herr in sanftem, vorsichtigem Tonfall seinen Namen rief, sprang er plötzlich auf, schlüpfte, so schnell es nur ging, furchtgepackt in das rußige Holzloch unter dem Ofen und gab keinen Laut von sich. Eine gute Weile stand der Geistliche ratlos da. Endlich fand er wieder zum Entschluß zurück.
"Geh heraus, Michl," sagte er sanft, "wir wollen wieder eine Kuh kaufen und Ferkel."
Michael räkelte sich erst und schlüpfte dann vollends aus dem Loch.
Seine Blicke waren mit einer schmerzvollen Bitthaftigkeit auf den
Pfarrer gerichtet.
"Und dein Häusl, Michl, das werden wir auch wieder richten lassen. Es ist arg baufällig," ermunterte dieser den Zögernden. Und als Michael endlich aufrecht stand, nahm ihn der Gottesmann mild am Arm und zog ihn sacht hinaus ins Freie.
Frische Frühe lag üher den Feldern. Die Wiesen dufteten schwer. Die
Sonne stieg langsam in die Mittagshöhe.—
Wie zwei Kranke schritten die beiden dahin. Der Söllinger wagte nicht herauszutreten, als sie vorbeikamen. Er lugte nur schweigend durchs Fenster.
Im Pfarrhaus angekommen, sagte der Geistliche zu Michael: "Du mußt jetzt eine Zeitlang bei mir bleiben. Die Marie wird dir ein Zimmer einrichten, bis dein Häusl fertig ist. Bis dahin ist auch wieder Viehmarkt in Greinau."