Schon nach einer knappen Woche erschienen die Vermessungsbeamten im
Dorf und wurden mit ehrwürdiger Neugier empfangen, durchschritten die
Felder, steckten weiß-rote Stangen auf, kamen immer näher an die
Häuser heran, zogen eine Linie durch Reinalthers Garten, über das
Gehöft Söllingers hinweg.—
Die Hände in den Hosentaschen, schweigend und gewichtig, sahen ihnen die Bauern erst zu.
"Also so ging's?" fragte der Gleimhans einen Vermesser.
"Jawohl, ganz so," erwiderte dieser und war schon wieder weiter.
"Hm!" brummte der Gleimhans, hob den Kopf und sah den Reinalther verwundert an.
"Müßt also mein halber Garten weg?" sagte dieser und sah den Geometern nach. Die entfernten sich mehr und mehr. Weiter ging es—über das Gehöft Söllingers hinweg.
"Hoi—Hoi! Da wär demnach das ganze Bürgermeisterhaus im Weg!" stieß jetzt der Reinalther fast entsetzt heraus und sah betroffen, mit offenem Maul, auf Gleimhans.
"Das wird sauber!—Gibt's nicht!" schrie dieser wütend und straffte seine Gestalt.
"Und—schau nur!—durch meine schönsten Gründ' gings'!" rief der Reinalther, als eben die Vermesser die Linie durch seine Weizenlande zogen, fäustete seine Hände drohend und polterte gleichfalls: "Gibt's nicht!"
Und auf der Stelle gingen die beiden zum Söllinger hinauf und erhoben lebhaften Einspruch gegen dieses Vermessen.