GOTT VATER (räuspernd, kollernd, sich abmühend, erleichtert sich endlich).
Ein Engel nimmt die Spuckschale zurück, trägt sie, von anderen begleitet, feierlich nach hinten; ein anderer Engel wischt dem Alten mit einem seidenen Tuch den Bart ab; dann stehen alle Anwesenden, dicht gesammelt, erwartungsvoll um Gott Vater herum.—Dieser schaut erst lange mit glasig-starren Blicken im Kreise herum, packt dann plötzlich mit zitternden Händen die Krücken, die ihm im Schoß liegen, und stößt sie mit unerwartetem Ruck und heiserem, fürchtenmachendem, fingierten Gebrüll gegen die Engel vor. "Wuh!—Wuh!—" Die Engel fahren kreischend auseinander und fliehen zu den Thüren hinaus.—Nur ein Cherubim bleibt zurück, der kniend, mit in den Händen vergrabenem Gesicht, sich vor ihm niederwirft.—Lange Pause.—
Dritte Szene
GOTT VATER. EIN CHERUBIM; dieser, ein geschlechtsloser Engel, gefitticht weiß, sehr schön von Angesicht, im Charakter des Antinous; kniet während der ganzen Szene.
GOTT VATER (nachdem er lange auf ihn herabgesehen; sehr ruhig; mit tief genommenem Bariton). Rollt die Erde noch in ihren Sphären?—
CHERUBIM (die Augen aufschlagend, feierlich). Die Erde rollt in ihren Sphären!—Pause.
GOTT VATER (wie oben). Ist die Sonne schon aufgegangen?—
CHERUBIM (zögernd). Die Sonne steht, heiligster Vater!
GOTT VATER (ruhig, unbekümmert). Steht die Sonne?—Ach so, ich hab' vergessen.—Ich sehe sie ja fast nicht mehr!—