ZWEITER ENGEL. Und durch die Füße!

ERSTER ENGEL. Und in die Seite hinein!

ZWEITER ENGEL. Und von der Stirn unter den Haaren herab fließen Blutstropfen!

DRITTER ENGEL (der mit wachsender Bewunderung zugehört). Aber er lebt?

ERSTER UND ZWEITER ENGEL. Er lebt!

Man hört draußen das Sich-Nahen eines Zuges. Eine Schar junger, mädchenhafter Engel stürzt voraus.

ERSTER UND ZWEITER ENGEL. Der Mann kommt!

DRITTER ENGEL (leise repetierend). Der Mann kommt. (Sie Treten etwas zurück, um Platz zu machen.)

DIE VORAUSEILENDEN ENGEL (zwitschernd, kichernd). Der Mann! Der Mann!

Christus, mit gestreckten, nach vorn übereinandergeschlagenen Armen (Ecce-homo-Stellung), kommt im weißen Talar mit übergeschlagenem Purpur-Mantel, als König der Juden, gesenkten Kopfes und mit tief-trauriger Miene skandierten Schrittes herein, umgeben von meist älteren Engeln, die Kreuz- und Marterwerkzeuge tragen; in seinem Gefolge Apostel, Märtyrer, Maria Magdalena, Klageweiber. Er ist sehr jugendlich, blaß mit dunklen Haaren, leichtem Flaumbart, eine hoch aufgeschossene, ätherische Erscheinung; auch das Gefolge hat den Charakter tiefster Niedergeschlagenheit und Hinfälligkeit. Die jüngeren Engel drängen sich mit feurigen Blicken um ihn, suchen seinen Gewandsaum zu berühren. Er begibt sich, gleichgültig von Gott Vater beobachtet und gänzlich unbeachtet von Maria, selbst in seiner Passivität von niemandem Notiz nehmend, zu einem für ihn inzwischen aufgeschlagenen, etwas abseits von den andern stehenden Thron, der die primitive Gestalt eines jüdischen Lehrstuhls hat. Dort läßt er sich, seine Ecce-homo-Stellung beibehaltend, in großer Apathie nieder, während sich sein Gefolge um ihn gruppiert.