»So, wirklich, das ist höchst merkwürdig,« bemerkt sinnend Frau von Manz, »Familienähnlichkeit zwische ihm und Ihne besteht keine!«

»O ja, für den Kenner, aber man muß sich von Jugend an geübt haben, die übereinstimmenden Linien von Rassegesichtern zu beobachten, um es zu bemerken!« erklärt die Mühlhausen.

Solche Liebenswürdigkeiten wechseln die Rheinweinkönigin und das Fräulein von altem Adel alle Tage, dennoch ist die Mühlhausen die einzige Gesellschafterin, welche es längere Zeit hindurch bei Frau von Manz ausgehalten hat. Sie ist nämlich die einzige, welche es je gewagt, ihrer Prinzipalin deren Grobheiten zurückzugeben – das stellt das Gleichgewicht ihrer gegenseitigen Beziehungen her.

»Ich kann Ihnen übrigens versichern,« fährt Hildegard zu Frau von Manz gewendet fort, »daß ich öfters gefragt worden bin, ob ich Hans von Altenrieds Schwester sei?«

»Seine Tante, meinen Sie vielleicht,« sagt phlegmatisch Frau von Manz.

Fräulein von Mühlhausen wird feuerrot und reißt sich mit einer heroischen Gebärde den Hut vom Kopf – »Gnädige Frau!« hebt sie an.

»Ja, auf was warten wir denn eigentlich?« bemerkt Frau Stutzmann, einer Scene vorbeugend.

»Auf was warten wir?« fragt Emma Becker. Sie heißt noch immer Becker, und ist noch immer darauf angewiesen, von einem Bekannten zum anderen zu reisen, und ihre Einkünfte an das Begleichen ihrer Schneiderrechnung zu wenden. Sie ist auch noch immer hübsch, aber ihr inneres Gleichgewicht scheint durch ihre lange Einsamkeit einigermaßen gelitten zu haben. Wenn sie keine Courmacher hat, so studiert sie Schopenhauer, und stellt Betrachtungen an über die Nichtigkeit des Daseins.

»Ja, auf was warten wir?« fragt sehr hungrig und etwas unzufrieden eine junge Cousine des Hausherrn, die indessen begonnen hat, mit dem Hofmeister des kleinen Fritz Federball zu spielen.

»Kitty ist doch nicht wieder unwohl geworden? Sie sah beim Frühstück recht elend aus, so blaß und hohlwangig,« bemerkt Emma und fährt sich mit Daumen und Zeigefinger über ihre eigenen runden, etwas zu stark gefärbten Backen. »Gar nicht mehr hübsch!«