»Wie kann man so kleinlich sein!« entrüstet sich Fräulein von Mühlhausen.

»Sie erfreuen sich offenbar starker Nerven, gnädiges Fräulein,« sagt der türkische Major, »allen Respekt!«

»Der Krieg ist immer eine Barbarei,« bemerkt Emma Becker. Sie fängt an, sehr weise zu werden aus Verzweiflung, wie die meisten Damen, wenn ihre Schönheit auf der Neige ist.

»Der Gedanke an die vielen geopferten Menschenleben ist gräßlich. Für die Angehörigen der Kämpfenden muß so ein Feldzug allerdings qualvoll sein. Doch stumpft sich auch die Angst ab mit der Zeit.«

»Das ist sehr individuell,« wirft der Oberst lebhaft ein. »Meine Frau versicherte mir, die Todesangst sei für sie, ein paar vorübergehende Fluktuationen abgerechnet, vom ersten bis zum letzten Augenblick dieselbe gewesen!«

»Die Arme!« ruft Kitty, sich zum erstenmal lebhaft in das Gespräch hineinmischend, aus, »ich würde mich sehr freuen, Frau von Delormes kennen zu lernen.«

»Meine Frau ist tot,« erwidert der Oberst.

»Tot!« wiederholt Kitty.

»Ja! vierzehn Tage nach meiner Heimkehr aus dem Feldzug ist sie gestorben; ein akutes Nervenfieber hat sie dahingerafft. Der Arzt sagte mir, ihr Nervensystem sei einfach verbraucht gewesen von den Aufregungen des Kriegsjahres.«

Bei diesen Worten heftet der Oberst die Augen auf Fräulein von Mühlhausen. Diese aber wirft ihren gepuderten Kopf – sie ist als Werthers Lotte kostümiert – unternehmend in den Nacken und sagt: »Sie war eben keine echte Soldatenfrau!«