§. Abb. 26. Gehöft in Linnenbeke bei Vlotho. (Zu Seite [45].)

Der Wald in der Neuzeit.

Neue Ansiedelungen, vor allem die durch christliche Missionare und Klöster ins Leben gerufenen vor und nach Karl dem Großen, befriedigten ihr Landbedürfnis durch Rodungen. Erst seit dem dreizehnten Jahrhundert begegnen wir den ersten Anfängen von Maßnahmen zum Schutze des Waldes. Im sechzehnten Jahrhundert finden wir im Osnabrückischen die Vorschrift, daß auf jedem Hofe höchstens zwei Feuerstellen sein durften, nämlich das Haus des Besitzers und die »Leibzucht«, in welcher die Altenteiler wohnten. Auch war für Vollerben, Halberben und Kötter, die verschiedenen Stufen bäuerlicher Besitzerwürde, je ein Höchstmaß der Hausgröße vorgeschrieben, um den wertvollen »Obstbaum«, die für die Schweinemast unentbehrliche Eiche, nicht unnötig zu dezimieren. Später freilich räumte der Dreißigjährige Krieg grausam unter unseren Wäldern auf. Wie sich die Heere rücksichtslos das Brenn- und Nutzholz für ihre Zwecke holten, so konnten auch die Gemeinden die Forsten nicht schonen, wenn sie Geld zur Aufbringung von Kontributionen nötig hatten und nur durch rasche Befriedigung gestellter Forderungen ihre Ortschaft vor Einäscherung zu bewahren vermochten. Als nach dem Kriege die Volkszahl wieder stieg, sah man sich zur Hebung der Landwirtschaft wieder auf den Wald angewiesen. Hier holte man Laub und Plaggen als Streu, Gras und Kraut als Futtermittel, und hier ließ man auch das Vieh weiden, wodurch die natürliche Verjüngung des Gehölzes fast unmöglich wurde. So gab man den Wald, wenigstens als Hochwald, dem Untergange preis. Kümmerlicher Mittel- oder Niederwald trat an seine Stelle. Als die Marken im achtzehnten Jahrhundert aufgeteilt wurden, waren vielfach die Parzellen überhaupt für eine verständige Wirtschaft zu klein. Im Wiehengebirge und Osning liefen sie in schmalen Streifen über Berg und Tal. Da obendrein noch »Heide und Weide« gemeinsam blieb, war der Besitzer gar nicht in der Lage, sein Eigentum zu schützen, und niedriger Busch oder gar Heide waren die letzten Reste einstiger Pracht. Dieser Zustand hat sich dort auf weiten Strecken bis auf den heutigen Tag erhalten.

Günstiger liegen die Verhältnisse an der oberen Weser. Aber auch hier hat der Wald seine Zeiten der Verwüstung durchgemacht, und zwar aus ähnlichen Gründen. Dazu kam aber dort noch die übermäßige Inanspruchnahme des Waldes durch die Pottasche-Siedereien für Leinenbleiche und Glasfabrikation hinzu. Außerdem bot die Weser und die Leine gute Gelegenheit zum Verflößen des Holzes, und auch das reizte zum Abholzen.

§. Abb. 27. Diele eines lippischen Zieglerhauses in Heidelbeck. (Zu Seite [45].)

Heutige Verteilung des Waldes.

Daß im neunzehnten Jahrhundert, welches fast gleichzeitig für die Landwirtschaft wie für die Forstkultur den Anfang einer verständigen und pfleglichen Behandlung der Natur bedeutet, die Wiederherstellung des Waldes im Süden besser gelang als im Nordwesten, erklärt sich aus den Besitzverhältnissen. Staats- und Gemeindebesitz zusammen umfaßt im Oberweser- und Diemelgebiet rund vier Fünftel, im Werregebiet nicht viel über ein Drittel, an der oberen und mittleren Ems und an der Hase wenig über ein Achtel des gesamten Waldbestandes. Zum Aufforsten aber sind natürlich langlebige Körperschaften besser befähigt als Private, denen für mehrere Generationen ein Verzicht auf jeglichen Ertrag zugemutet wird, wenn sie an Stelle auch noch so mageren Ackers oder dürrer Weide Waldbäume pflanzen sollen. Der lästigen Nebenbenutzer des Waldes entledigten sich Staat und Gemeinde durch Abfindungen, die auch dann nicht als allzu drückend empfunden wurden, wenn sie, wie besonders im Kreise Rinteln-Schaumburg, in Teilen des Waldes selbst bestanden, die dann der Urbarmachung anheimfielen.

§. Abb. 28. Gasthaus in Volksen bei Rinteln. (Zu Seite [45].)