§. Abb. 53. Corvey. (Zu Seite [80].)
Abb. 54. Eingang zur Abtei Corvey.
Photographie und Verlag von Otto Buchholtz' Buchhandlung (Ernst Ummen) in Höxter. (Zu Seite [80].)
Sicher ist, daß das Anbringen von Inschriften erst mit dem Fortfallen des Strohwalms möglich oder doch üblich wurde. Über der Türe nennen der Erbauer und die Erbauerin des Hauses ihre Namen nebst der Jahreszahl der Errichtung. Begnügt man sich hiermit in der Regel an der Oberweser, so lassen die Bauherren im Norden und Westen es sich nicht nehmen, einen Segenswunsch oder frommen Spruch hinzuzufügen. Sehr verbreitet ist z. B. der Vers: »Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut«, auch mit dem Zusatz: »im Himmel und auf Erden«. Was zu dem Bau Veranlassung gegeben, berichtet folgende Inschrift, die Wolf aus dem Kreise Halle mitteilt: »Durch Feuersgluht und strenger Hand, das vorige Haus ist abgebrannt, bewahr, O Gott, dieses Haus, vor Feuer, Schaden, Sturm und Braus, zieh du mit deinem Segen ein, und laß es dir befohlen sein.« Mit mißverstandener Gelehrsamkeit prahlt ein »lateinischer Bauer«, indem er das schöne Wort »Ora Edla Bora« über seine Haustür setzt, wogegen die natürliche Weisheit des folgenden Spruches angenehmer berührt: »Man öffnet schnell die Thür, wenn einer klopfet an; wie oft klopft Gott ans Herz, und wird nicht aufgethan.« Den Kampf zwischen Hochdeutsch und Plattdeutsch verewigt folgende Inschrift aus dem Jahre 1609: »Nach Dir Her verlanget mir min Gott Ich hafve Dir Las mir nicht to Skanden werden Dat sik mine Vien nicht frowen werden.« Im Mindenschen herrschen Bibelsprüche vor.
Abb. 55. Höxter, vom Felsenkeller aus gesehen. Photographie und Verlag von Otto Buchholtz' Buchhandlung (Ernst Ummen) in Höxter. (Zu Seite [79] bis 81.)
Weit einschneidender als diese Ausgestaltungen des alten Typus sind gewisse Änderungen im Grundriß. Hatte man einmal das Gezimmer des Hauses zu einem festen Kasten gemacht, der in allen seinen Teilen das Dach gleichmäßig trug, so konnte man dieses auch im rechten Winkel umdrehen, oder mit anderen Worten, man konnte aus der Längsdiele eine Querdiele machen. Dies ist östlich von den Wesergegenden in Ostfalen vielfach geschehen. Vereinzelte Beispiele findet man aber auch in allen Teilen unseres Gebietes.
§. Abb. 56. Schloß Bevern. (Zu Seite [82].)
Eine weitere Änderung ist die, daß man Wohnende und Viehstall miteinander vertauschte ([Abb. 28]). Hierbei war wohl der Wunsch maßgebend, der Straße näher zu wohnen, vom Zimmer aus das Leben im Dorfe überblicken zu können. Wenn wir aber diese eigentümliche Hausform besonders an der Oberweser, und zwar hier als herrschende, vorfinden, so werden wir sie wohl auch auf den Einfluß des Nachbargebietes mit seinem mitteldeutschen Hause zurückführen müssen. Daß die Diele hierbei möglichst schmal wird, um die ohnehin übermäßig getrennten Wohnzimmer nicht noch mehr voneinander zu reißen, versteht sich von selbst ([Abb. 25] u. [27]).