Abb. 106. Waldchaussee von Detmold zum Jagdschloß Lopshorn.
Verlag der Hinrichs'schen Hofbuchhandlung (H. Knöner) in Detmold. (Zu Seite [116].)
Durch frische Täler und über buchenbewachsene Hügel geht es fort zur Paschenburg, zur Schaumburg und zur Arensburg. Die erste ist ein hochgelegenes Gasthaus (336 m), das wegen seiner Fernsicht berühmt ist. Lassen sich doch von dort oben angeblich 23 Windungen der Weser und 136 Ortschaften zählen. Die Schaumburg, der Stammsitz des gleichnamigen Grafengeschlechtes, liegt unmittelbar darunter auf einem Vorberge. Von dem Schloß sind noch eine Anzahl teils bewohnte, teils halb zerfallene Baulichkeiten ohne großen Kunstwert vorhanden ([Abb. 83]). Die Lage aber und der Blick auf das am Berge hängende Dörfchen Rosenthal ist von zauberhafter Schönheit. Auch die Arensburg, welche auf kleinem Hügel den Paßübergang von Rinteln nach Obernkirchen beherrscht, ist ursprünglich eine Ritterburg gewesen, jetzt aber ein Lustschlößchen des Fürsten von Bückeburg mit wohlgepflegten, geschmackvollen Parkanlagen ([Abb. 84]). Das nahe Steinbergen wird als Sommerfrische viel besucht.
Abb. 107. Donoper Teich bei Detmold.
Verlag der Hinrichs'schen Hofbuchhandlung (H. Knöner) in Detmold. (Zu Seite [116].)
Die Porta Westfalica.
Von der Schaumburg bis zur Porta Westfalica führt der Touristenweg nicht über die Kämme der Einzelberge, die sich in regelmäßigem Wechsel erheben und bis zur Höhe der südlichen Vorberge herabsenken, sondern auf einer Zwischenstufe, auf der Grenzlinie des Weißen und Braunen Juras ([Abb. 85]). Von den Gipfeln sind viele bis obenhin bewaldet; ihrer schönen Fernsicht wegen werden hauptsächlich die Luhdener Klippe mit steinernem Turm, der oben kahle Papenbrink, die Nammer Klippe und der Jakobsberg besucht, der bereits einen der Torflügel der Porta bildet. Seinen Namen hat der Berg durch Friedrich den Großen erhalten. Bei einem Besuche der Gegend fand er dort einen seiner Kriegsinvaliden, namens Jakob, der ihm selbstgezogene Trauben[7] vorsetzte. Dies veranlaßte den König, den bisherigen Tönniesberg in Jakobsberg umzunennen.
[7] Weinbau wurde auch sonst an der Weser getrieben. Bei Höxter ging er zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts ein. Wie bei Höxter gibt es auch bei Lübbecke einen »Weinberg«.
In die Porta blicken wir von der auf dem Gipfel errichteten Bismarcksäule oder von der benachbarten Jakobsklippe wie aus der Vogelschau hinab. Durch ein Felsentor von nur etwa 800 m Breite strömt friedlich der blanke Fluß dahin; keine Stromschnelle, kein Strudel zeugt mehr von der Arbeit, die das Wasser hier verrichten mußte, als es diese Bergkette in demselben Maße, wie sie sich hob, langsam durchnagte ([Abb. 86]). Landstraßen geleiten den Fluß auf beiden Seiten; auf dem rechten Ufer freilich ist der Raum für sie und die Eisenbahn erst durch Felssprengungen gewonnen worden. Das fortwährende Rollen der Züge verrät uns, daß wir uns an einer echten Völkerpforte, einem der wichtigsten Tore zwischen Rhein und Elbe, befinden. Der Flecken am Südfuße des Berges, 200 m unter uns, ist Hausberge, genannt nach dem »Haus am Berge« (auch als Schalksburg bezeichnet), das die edlen Herren vom Berge dort besaßen; sie waren angeblich Nachkommen Wittekinds, und ihnen gehörte auch der gegenüberliegende Hof Wedigenstein.
Dieser war wohl der Herrenhof zu der Volksburg oben auf dem Wittekindsberge, der den westlichen Torflügel der Porta und den Anfang des Wiehengebirges bildet. Von dem alten Ringwall ist kaum noch etwas zu sehen. Die kleine graue Wittekindskapelle, der Rest eines ehemaligen Klosters namens Margaretenklus, sowie die merkwürdig hoch gelegene steingefaßte Wittekindsquelle fallen als Zeugen der frühen Besiedelung mehr in das Auge. Die Hauptzier des Berges aber ist das Denkmal, das die Provinz Westfalen durch Kaspar Zumbusch und Bruno Schmitz dem Gründer des Deutschen Reiches hat errichten lassen. Unter hohem steinernem Hallenbau, dessen Fernwirkung aufs beste berechnet ist, steht des alten Kaisers ehrwürdige Gestalt, die Rechte zum Segnen erhoben ([Abb. 87]).