Lippischer Wald.
Die weitere Bergwanderung vom Sparenberge nach Südost bietet uns zunächst ähnliche Eindrücke wie vor Bielefeld. Bei dem hochgelegenen, von Sommerfrischlern geschätzten Dorfe Örlinghausen überschreiten wir die Grenze des Fürstentums Lippe; dahinter auf dem Tönsberge besuchen wir die Reste des ehemaligen befestigten Sachsenlagers, das in den Kriegen gegen Karl den Großen eine Rolle gespielt hat. Später müssen wir vielfach tief durch den aus der benachbarten Senne in die Schluchten des Gebirges hereingewehten Sand stapfen, bis wir an der sogenannten Dörenschlucht den eigentlichen Lippischen Wald erreichen ([Abb. 8]).
Hier sind wir an dem reizvollsten Stück des Gebirges angelangt. Die Gliederung des Berggeländes ist mannigfaltiger, die Gipfel höher, die Täler bedeutender geworden. Näher aneinander drängen sich die verschiedenen Landschaftsformen. Frischer Buchenwald, hochstämmige Fichtenbestände, lichte Parks stattlicher Eichen und echte Heide mit Kiefern und Wacholderbüschen wechseln je nach der Beschaffenheit des Untergrundes ([Abb. 1] u. [106]). Dabei werden die Forsten, die meist Staatsgut sind, sorgfältig gepflegt und weisen in den eingehegten Teilen einen stattlichen Wildstand auf. Noch anziehender aber wird die Landschaft durch mächtige Felsen wie die Externsteine und durch hübsche Wasserflächen wie die an ihrem Fuße aufgestaute Lichtheupte ([Abb. 113]) und den Donoper Teich ([Abb. 107]).
Detmold.
Welcher aber von den vielbesuchten Orten ist der Glanzpunkt des Gebirges? Ist es Berlebeck, das hübsche Dorf, das sich im waldumschlossenen Talkessel bis in das Herz des Gebirges hineinzieht, hier überragt von dem Schloßhügel der ehemaligen Falkenburg, dort von dem modernen Pensionshause Johannaberg? ([Abb. 7] u. [108]). Ist es Detmold, die schmucke Residenz mit dem ansehnlichen Renaissanceschloß, mit den geräumigen Plätzen, sauberen Straßen, schattigen Gärten und Spaziergängen und den zahlreichen freundlichen Landhäusern? Detmold (13200 Einwohner) ist zwar ein uralter Ort — denn schon im Jahre 783 besiegte Karl der Große die Sachsen bei Theotmalli, d. h. bei der Volksgerichtsstätte —, aber in seiner heutigen Erscheinung ist es durchaus modern ([Abb. 12] u. [109]). Residenz ist es seit 1511. Einzelne Bestandteile des Fürstenschlosses gehen allerdings auf das fünfzehnte Jahrhundert zurück; seine heutige Renaissancefassade aber gab ihm der Umbau von 1557 ([Abb. 110]). Da die natürlichen wirtschaftlichen Hilfsquellen Detmolds nicht groß sind, so mußte der Staat und der Hof der Stadt geben, was sie zu dem bedeutendsten Platze des Landes machte. So legte der prachtliebende Graf Friedrich Adolf um 1700 die schönen Parks und Promenaden an, und so vermehrten spätere Zeiten die öffentlichen Gebäude und Denkmäler, unter denen der niedliche Donopbrunnen von Hölbe ([Abb. 111]) erwähnt werden mag.
Hermannsdenkmal.
Die eigentliche Sehenswürdigkeit von Detmold ist aber doch die Grotenburg (388 m) mit dem Hermannsdenkmal ([Abb. 1] u. [112]). Von dem Großen Hünenring, der alten Befestigung, die früher den Gipfel des Berges umzog, und in der Clostermeier und neuerdings Schuchhardt die altgermanische Teutoburg erkennen wollen, ist nur wenig erhalten (vergl. Seite [57]). Mehr fällt dem Touristen die am Fuß des Berges gelegene, wohl erst aus der sächsischen Zeit stammende Wegschanze auf, die man den Kleinen Hünenring nennt. Das Denkmal Armins, das die Kuppe des Berges noch um fast 54 m überragt, besteht aus einem besteigbaren steinernen Rundtempel, der eine herrliche Umschau gewährt, und der aus Kupfer geschmiedeten Kolossalfigur des Cheruskerhäuptlings darüber. Es ist Ernst v. Bandels Lebenswerk, dessen Vollendung ihm erst nach fünfzigjähriger Arbeit und nach einer schier endlosen Kette von Enttäuschungen im Jahre 1875 gelungen ist.
§. Abb. 117. Erker mit Laube am Rathaus in Lemgo. (Zu Seite [121].)
Die Externsteine.