»Wenn jemand einmal von der Familie aufgenommen ist, dann gehört er auch zu uns!« war Sophie Craners Grundsatz. Damm hatte sie ein elegantes weißes Moirékleid angezogen, als sie zu Mariannes Hochzeit hinausfuhr. Dort saß sie nun mitten auf dem Rasen in einem Korbstuhl und machte mit Lukas Allms Schwager Konversation, während die Mehrzahl der Gäste sich im Garten erging. Der kleine Bahnassistent aus dem Westfälischen strebte ab und zu nach weltmännischer Haltung, indem er den Arm in die Hüfte stemmte und sich ein wenig zu Tante Sophie hinunterbeugte.

»Ich finde es sehr richtig, daß Ihr Schwager hier draußen bleiben will. Er kennt die Leute; sie mögen ihn gern, und die Kinder hängen ja geradezu an ihm!« sagte Sophie Craner freundlich.

»Es tut einem nur leid, daß er dann garnicht weiterkommen kann. Er mit seiner Vorbildung! Unterprima! Und vom Seminar so glänzende Zeugnisse.«

Tante Sophie machte ein freundlich-andächtiges Gesicht.

»Wollen Sie sich nicht setzen?«

Sie schob den Schuh unter dem Kleide hervor und tippte mit dem Fuß an einen Gartenstuhl.

Der Bahnassistent knickte im Kreuz zusammen.

»Danke sehr! Danke verbindlichst!«

Der Schuh irritierte ihn. Dergleichen hatte er bisher nur in einem Laden in Berlin gesehen, auf gebogenen Eisenstangen mit hellblauen Plüschpolstern. Er hob die Schöße seines Uniformrocks und ließ sich mit zaghafter Gebärde auf dem Stuhl nieder.

»Er sollte doch noch den höheren Lehrberuf erlernen. Jetzt, wo er es kann!« begann der Bahnassistent wieder.