»Sag’ mir, Julie,« fragte er sie einmal, »warum machst du ein so seltsames Gesicht, wenn ich dich küsse? — Ich tue es doch, weil ich dich liebhabe!«

»Glaubst du, ich hätte dich nicht lieb? — Ich habe dich lieb, mit aller Hoffnung, mit allem! Aber siehst du, da ist etwas zwischen dir und mir, etwas Feines, Gläsernes, das mich ganz von dir trennt, wodurch ich dich aber so gut sehen kann, alles an dir sehen kann, jede Linie. Das gehört zu mir! So etwas war immer bei mir. Aber sieh, wenn ich dich küsse, muß ich ohne dies kommen. Und dann bin ich nicht mehr ich selbst! Ich bin jetzt so glücklich. — Ich will jetzt nichts anderes!«

»Wenn du einmal etwas anderes willst, Julie, wirst du es mir dann sagen?«

»Oh, das wirst du schon merken!« — Sie lachte.

»Und wenn ich einmal mehr will, als ich jetzt habe ...«

Diese Dinge waren es, vor denen Peter Owen haltmachte. So sehr er sich anstrengte, konnte er sich doch nicht darüber klar werden, ob sie die Gedanken, von denen zu sprechen sie nie müde wurde, auch in die Wirklichkeit ihres Lebens hineintragen würde.

»Du mußt Kinder furchtbar gern haben!« sagte sie einmal. »Diese Jungens!« Sie hielt eine Lithographie an ihre kurzsichtigen Augen. »Wie wundervoll muß es sein, Kinder zu haben!«

»Meinst du?« — Er wußte in diesem Augenblick nicht, was für ein Gesicht er machte.

Sie sah ihn ruhig an und entwickelte ihm ganz genau, wie sie ihre Kinder erziehen würde.

Er liebte es übrigens, daß sie kurzsichtig war. Wenn sie zusammen spazierengingen, stützte er sie bei jedem Straßenübergang. Dann war sie von ihm abhängig. Dieses Gefühl hatte er selten bei ihr. Er liebte es, wenn ihre Hände auf dem Tisch herumtasteten und nach einem Gegenstande suchten. Dann war sie ganz hilflos, so daß er die Empfindung hatte, sie würde ihn nie verlassen können.