Der »gute Einfluß« überredete Betty stets. Sie fand nun auch, daß es gut wäre, auf die jungen Mädchen einzuwirken. Sie erinnerte sich plötzlich, daß die Kleine bei Hellweges immer so naseweise Fragen stellte, daß Julies Mundwinkel spöttisch zucken konnten, wenn sie mit ihr sprach.
»Ohne jede Erziehung!« sagte sie. »Es ist wahr, Gottfried, wir haben Pflichten!«
Die Mission war erkannt, und man ging ihr sofort zuleibe. Die Schwestern wurden feierlich zum Abendbrot geladen, und damit es sich auch lohne, forderte man auch den Schullehrer mit seiner Mutter und Hinrich Teetje auf.
Dies war nun die Abendgesellschaft.
Die Hängelampe schummerte über dem Tischtuch. Ein Geruch von Braunbier und Schinken stieg von der Tafel und mischte sich in den Ecken, wo die zwei Blumenetageren standen, mit dem welken Duft letzter Rosen.
Da saßen sie alle einträchtig, eines neben dem anderen.
Mine, das Mädchen, stand an der Tür und glotzte mit aufgerissenen Augen auf das, was am Tisch geschah. Warum das nur immer schnackte und redete?! Wenn man bei Tisch saß, dann aß man und sprach nicht. Das älteste Fräulein Hellwege hatte ein Kleid von schierer schwarzer Seide an. Und die zweite schien Herrn Pastor richtig auszuschimpfen.
»Ich nehme nur Goldreinetten. Und ich lasse den Saft einkochen, bis er braunschwarz wird,« erklärte die Pastorin.
»Kochen Sie auch Gelee ein?« kam es von Frau Allm.