für Logen), dessen vier Seiten nach den Himmelsgegenden benannt und womöglich auch nach diesen gerichtet sind. Die Schmalseiten heißen Morgen oder Osten (auch Orient) und Abend oder Westen, die Längsseiten Mittag oder Süden und Mitternacht oder Norden. Im Osten befinden sich auf einer Erhöhung über Stufen die Plätze des Vorsitzenden (des Meisters vom Stuhl) und der übrigen Beamten, mit Ausnahme der beiden Vorsteher oder Aufseher, die ihre Plätze im Westen zu beiden Seiten des Eingangs haben (in einigen Systemen der zweite auf der Südseite), während den übrigen Brüdern die beiden Längsseiten eingeräumt sind. Da, wie diese Benennungen zeigen, die Loge die Welt bedeutet, so will die Redensart: des Maurers Wind blase von Osten nach Westen (ursprünglich ein englischer Seemannsausdruck), zweierlei sagen, einmal: die Gesittung und Bildung der Menschheit schreite vom Morgenlande her nach dem Abendlande, und dann: der Geist der Werkstätte gehe vom Sitz des Meisters vom Stuhl aus in der Richtung nach Westen. Für den allgemein anerkannten Vorrang des Orients vor den übrigen Himmelsgegenden spricht auch der Ausdruck: sich orientieren, d. h. sich nach dem Osten richten, nach dem Aufgange der Sonne, und dies tun denn auch die Freimaurer. Im weiteren Sinne aber hat die ganze Loge eine geistige und sittliche Bedeutung für die Brüder; sie ist, wie Rob. Fischer sagt, ihr Vaterhaus, ihre Schule und ihre Arbeitstätte im höheren Sinne.

Es ist Pflicht der Brüder einer Loge, zu sorgen, daß diese gehörig gedeckt sei. Der Ausdruck kommt, wie die meisten in der Maurersprache, vom Bauen. Ein Bau ist erst dann gegen äußere Einflüsse gesichert, wenn er gut gedeckt ist, ein solides Dach hat. Die Sorge für die Deckung ist (nicht in allen Logen) die Aufgabe eines besonderen Beamten, des Ziegeldeckers oder wachhabenden Bruders, was auch in vielen anderen geheimen oder geschlossenen Gesellschaften der Fall ist oder war. Dieser Bruder ist es auch, der die Eintretenden auf ihr Recht dazu prüft und sie, wenn dieses in Ordnung ist, einläßt. Wo diesem Amt nicht besonders besteht, ist es irgend einem anderen Mitgliede der Loge übertragen.

Ist die Loge nicht gehörig gedeckt, d. h. ist, ohne daß sie deshalb nicht gut gebaut wäre, Gefahr oder wenigstens Besorgnis einer Störung oder Belauschung vorhanden, so sagt man, auch wenn Brüder außerhalb der Loge über Bundesangelegenheiten sprechen und ein Uneingeweihter in der Nähe ist, „Es regnet.“ Offenbar ist dies auch wieder eine Anspielung auf ein unsolides Dach, durch das es herein regnet. Weniger ansprechend ist die freilich alte (schon 1737 in einem englischen Ritual vorkommende) Deutung, daß ein ertappter Lauscher unter die Traufe des Hauses gestellt worden sein soll, bis ihm das Wasser bei den Schultern in die Kleider und zu den Schuhen wieder herausgelaufen sei. Schwerlich ist dies wirklich vorgekommen. Bei guter Ordnung ist auch eine solche Maßregel überflüssig.

Die Loge, d. h. der Logensaal, nicht die übrigen Räume des Gebäudes, ist dunkel, ehe Licht angezündet wird; denn sie hat keine Fenster, oder sie sind verdeckt. Dies ist ohne Zweifel nur deshalb so eingerichtet, damit das eine geistige Erleuchtung bedeutende Licht auch eine natürliche Überwindung der Dunkelheit bewirken könne. Es ist daher wohl zu weit hergeholt, wenn auch ansprechend, was Schauberg[1] zur Erklärung dieser Tatsache aufführt. Nach ihm rührt sie daher, daß die älteren Körperschaften, von denen er die Freimaurerei ableitet, ihre Versammlungen in dunkeln Räumen oder gar in Höhlen abhielten. Wirklich wurden die Mysterien des aus Persien zur Römerzeit nach dem Abendlande eingeführten Sonnengottes Mithras in Höhlen gefeiert, deren viele mit seinem Bilde, auch in Deutschland, aufgefunden wurden. Denn die diesem Gotte huldigende, auf dem Gegensatze zwischen Licht und Finsternis beruhende, Religion beruhte auf dem Gedanken, daß das Licht in der Finsternis verborgen sei und aus ihr hervorgehend, sie überwinde. Auch der griechische Zeus wurde in einer Höhle auf Kreta geboren, der Lichtgott Apollon war der Sohn der Nachtgöttin Latona oder Leto, und die Sonne selbst taucht aus der Nacht hervor.

Der Kirchenvater Origenes berichtet nach Celsus, daß in den Mysterien der Mithras-Höhlen der Durchgang der Seele durch die damals angenommenen sieben Planetensphären zum reinen Lichte gelehrt worden sei. Von diesem Gedanken ist aber ein weiter Schritt zu den einfachen Gebräuchen der Freimaurerei und zur Dunkelheit der Loge. Auch im alten Ägypten haben ja die Pharaonen und in Indien Brahmanen und Buddhisten Tempel in Felsen ausgehauen, und so gibt es noch vieles, was mit Hilfe einer kühnen und ausschweifenden Phantasie auf die Logenausstattung und Logengebräuche bezogen werden kann, was aber geschichtlich auf schwachen Füßen steht. Auf die innere Ausstattung der Loge werden wir in dem Abschnitte der „Schönheit“ zu sprechen kommen.

Wie das Versammlungshaus, so nennt sich auch der darin sich zusammenfindende Verein Loge; als solcher entbehrt er jedoch besonderer Sinnbilder.

b) Die Mitglieder.

Die auf rechtmäßige Weise aufgenommenen Freimaurer nennen sich Brüder, weil sie Mitglieder einer wenn auch großen Familie geworden sind. Dieser Gebrauch ist ein alter, ohne daß ihn deshalb die Freimaurer von anderen Vereinigungen entlehnt hätten. Alle engeren Verbände haben gewisse Benennungen für ihre Angehörigen. Die Beamten und Lehrer nennen sich Kollegen, die Studierenden Kommilitonen (die Corpsmitglieder Corpsbrüder), die Offiziere Kameraden, die Sozialdemokraten Genossen und eine ganze Menge von Vereinsmitgliedern ebenfalls Brüder. Die alten Ägypter nannten bei Totenklagen die Verstorbenen Brüder und Schwestern, ebenso die alten Hebräer ihre Glaubensgenossen, so auch die ersten Christen, und die Klosterbewohner nennen sich untereinander ebenso.

Im schriftlichen Verkehr erkennen sich untereinander sonst unbekannte Brüder am Gebrauche von drei Punkten () als Abkürzung maurerischer Ausdrücke nach dem Anfangsbuchstaben. Sie werden deshalb von ihren römischen Feinden mit wohlfeilem Spott die „Dreipunkte-Brüder“ genannt, als ob damit irgend etwas gesagt wäre, während die Spötter doch selbst mit der Dreizahl einen Kultus treiben. Diese ist eben eine alte, heilige Formel, die sich bei allen Völkern und in allen Zeiten findet. Sie beruht auf den sich von selbst ergebenden Teilen der Zeit (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft), einer jeden Handlung (Anfang, Mitte und Ende), des menschlichen Lebens (Geburt, Leben und Tod), des Raumes (Länge, Breite und Höhe oder Tiefe), des Tages (Morgen, Mittag und Abend), des Sonnenstandes, des Mondumlaufes, und zeigt sich auch in den 3 Grundfarben (rot, gelb, blau), den Mischfarben (orange, grün, violett), den Licht- und Schattenformen (weiß, grau, schwarz) u. s. w. Die ägyptischen Hieroglyphen zeigen als Bezeichnung der Gattung eines Dinges dessen Charakter in dreimaligem Bilde eines Zeichens, das diesen ausdrückt, wie sie auch die Mehrzahl durch drei Zeichen ausdrücken.

Diesem unbewußten Zuge der Menschenseele entsprangen auch die ägyptischen, indischen, griechischen, römischen, keltischen, slawischen und germanischen Dreiheiten von Göttern und die christliche Dreieinigkeit, sowie die dreimalige Bekreuzung der frommen Christen. Einen sehr großen oder sehr heiligen Menschen nannte man früher: dreimal groß oder dreimal heilig (so Hermes Trismegistos). Läßt man jemanden hoch leben, so tut man es dreimal. Die Aufforderung zu einer raschen Handlung wird durch den Ruf: 1, 2, 3 begleitet. Namentlich ist aber dies der Fall bei dem Maurergruße. Bei diesem wird die Zahl 3 mit sich selbst vervielfältigt, zu 9, und man schließt seine Briefe an Brüder mit der Formel: in der uns heiligen Zahl (i d u h Z), d. h. mit 3 × 3. Dieselbe Zahl wird auch bei dem Händeklatschen (das bei Nichtmaurern keine bestimmte Form hat) beobachtet, bisweilen aber auch durch langsamere Wiederholung der Zahl 3 beschlossen (auch kommt vor die Form: 3 × 5 + 3). Es dient sowohl zum Willkomm, als zum Abschied und als Beifallszeichen. Auch das Händeklatschen kommt im Altertum vor, so in Ägypten und Babylonien zur Aufmunterung der Arbeiter, Ruderer, Soldaten u. s. w., auch in gewissen Takten, ebenso im Götterdienste.