»Dann soll er vor allem mit diesem schrecklichen Klavierpauken aufhören und mit dem noch schrecklicheren Gesingse!«
»Lala geht zu ihm.«
Und Lala ging hinauf, und augenblicklich wurde es ruhig.
Nach einer Weile kam die dunkle Schwester mit einem Billett zurück, auf dem folgende Worte standen:
»Wenn Orpheus sang, schwieg selbst das Federvieh,
Doch Orpheus selber, lehrt Mythologie,
Orpheus schwieg nie.
Aber Orpheus hat auch nicht das Glück gehabt, Madame Sara Asher Neuyork (siehe Fremdenbuch) zu sehen, wie der ganz ergebenst endesunterfertigte Musikante und Poet, der zwar nicht leben kann, wenn er nicht den Flügel bearbeitet und seine unsterblichen Melodien den Morgenwinden mitteilen darf, aber lieber aufs Leben zu verzichten gewillt ist, als daß er der schönsten aller Damen ärgerlich sein möchte. – Es liegt also bei Madame, zu entscheiden, ob ich leben oder sterben soll. – Ich werde mir erlauben, selbst um die Entscheidung anzufragen, wenn Madame die Gnade haben will, mir dafür eine Stunde zu bestimmen.
Der ich bin der schönsten Dame alleruntertänigster Diener und Knecht Sturmius de Musis.«
»Du scheinst recht zu haben, Lala, er ist entschieden verrückt,« sagte Sara, als sie unter Lächeln das Billett gelesen hatte. »Aber er ist ein amüsanter Narr. Du kannst ihm also sagen, daß ich um ein Uhr für ihn zu sprechen bin.«
Punkt ein Uhr überbrachte Lala ihrer Herrin eine Visitenkarte, die den wirklichen Namen des Maestro Sturmius de Musis aufwies, einen alten deutschen Adelsnamen, der eben an allen Plakattafeln der Stadt über einer Konzertanzeige zu lesen war. »Ich lasse bitten!« sagte sehr freundlich Madame Sara, musterte schnell noch einmal ihre raffiniert halb auf Empfang, halb auf Negligé gestimmte Toilette und ließ sich, gelb auf rosa, in einen üppig gepolsterten Armstuhl sinken.
Kaum, daß sie noch einen Wurf alter Brabanter Spitzen über türkischen Pantöffelchen zur Geltung hatte kommen lassen können, stand der Flügelgewaltige auch schon in der Türe.