Die Figuren dienen nicht, wie die Tropen, dazu, der Rede größere Anschaulichkeit zu verleihen, sondern sie sind nur Wort- und Gedankenstellungen, welche die Lebendigkeit der Darstellung erhöhen. Man teilt die Figuren gewöhnlich in grammatische und rhetorische (Sinnfiguren). Die grammatischen Figuren beziehen sich nur auf die Stellung und Betonung der Worte und auf die äußere Form der Sätze, während die rhetorischen Figuren die Verhältnisse der Gedanken betreffen.

I. Grammatische Figuren.

a) Der Ausruf, als Ausbruch der Leidenschaft, z. B.: Furchtbares Schicksal! Schiller. — Was für ein Anblick! Welch ein Wiedersehen! Schiller.

b) Die Frage, als Ausdruck des Zweifels, der Verneinung oder einer lebhaften Gemütsbewegung, z. B.: Gibt es keinen Gott? Was? Dürfen in seiner Schöpfung Könige so hausen? Schiller. — Wann werdet ihr Poeten des Dichtens einmal müd? Anastasius Grün. — Kann ich Armeen aus der Erde stampfen? Wächst mir ein Kornfeld in der flachen Hand? Schiller.

c) Die Anrede oder Apostrophe (d. i. Wegwendung, nämlich von der Sache zur Person), z. B.: Darauf antwortetest du, ehrwürdiger Pfarrer von Grünau. Voß. — Lebt wohl, ihr Berge, ihr geliebten Triften, ihr traulich stillen Täler, lebet wohl. Schiller.

d) Das Asyndeton. (Vgl. S. 19.)

e) Das Polysyndeton. (Vgl. S. 19.)

f) Die Ellipse. (Vgl. S. 19.)

g) Die Aposiopese (d. i. Verschweigung). Während bei der Ellipse nur das Wichtige genannt, das minder Wichtige weggelassen wird, besteht die Aposiopese umgekehrt darin, daß nur das minder Wichtige ausgesprochen, die Hauptsache aber verschwiegen wird, z. B.: „Dich schützt dein Wappenrock, sonst solltest du —“ Schiller. „Wer hier wagt zu mucken —“ Herder.

h) Die Inversion. (Vgl. S. 19.)