Baroda: Raj Mahal Palast (Luxmi Vilas)
(Original-Photographie: Eigentum des Museums für Völkerkunde in Leipzig)


GRÖSSERES BILD

Baroda: Der Damenpalast Makupura


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Die Maharattendynastie, der die Gaekwari von Baroda angehören, wurde von dem Fürsten Sewagi gegründet, der ein Abkömmling des Radscha von Tschittore war, der ältesten Herrscherfamilie im Westen von Indien. Er legte als Radscha von Satarah den Grundstein des großen Maharattenreiches, das sich unter ihm von Ahmedabad bis nach dem heute portugiesischen Goa, die Westküste Vorderindiens entlang, erstreckte und im Innern an die Reiche der Fürsten von Mysore, von Haiderabad und an die Gebiete des Großmogul grenzte.

Der erste Minister Sewagis war ein Brahmine, der den Rang eines obersten Magistrats bekleidete und als solcher den Titel „Peischwa“ führte. Rang und Titel sind noch heute in vielen indischen Staaten erblich.

Dieser erste Peischwa erhob sich nach Sewagis Tode gegen dessen Sohn, den er im Stammschloß seines Vaters, in Satarah, als Gefangenen hielt und von allen Regierungsgeschäften ausschloß. In der Folge blieb die Herrschaft der Familie der Peischwa als eine Art Brahminen-Priesterherrschaft bis zum Niedergang der Maharatten-Dynastie im Beginn des neunzehnten Jahrhunderts ungestört bestehen.

Einer dieser Peischwa, genannt Bajett Rao, war sogar in dem grausamen Indien durch seine Grausamkeit berüchtigt. Die von ihm am liebsten verhängte Todesstrafe war die „am Bambus“. Es wird dazu eine mit sehr schnell wachsenden, nadelscharfen Sprossen versehene Bambusart gebraucht, auf die der zum Tode Verurteilte so befestigt ist, daß die in einer Nacht um über Fingerlänge treibenden, eisenharten Spitzen der Zweige in qualvoller Langsamkeit, aber unaufhaltsam, seinen Körper durchbohren.

Auch der berühmte Nana Sahib, der Führer des Sipahi-Aufstandes von 1857, entstammte der Peischwa-Familie, unter die alle Fürsten der Maharatten sich beugten, wie der Maharadscha Holkar von Indore, Scindia von Gwalior im Inneren Indiens, der Gaekwar von Baroda, und kleinere, wie der Radscha von Kolapur und einige der Radschputfürsten in der Provinz Kathiawar. Heute sind sie alle Vasallen des britisch-indischen Kaiserreiches, das die Eingeborenen mit „Sirkar“ bezeichnen.