Irgendwie mußten die heimtückischen Brahminen, die den Maharadscha und seine Gemahlin so ziemlich in der Hand hatten, die Todesursache des Affen in Erfahrung gebracht haben und bei dem Fürsten vorstellig geworden sein.

Das eigentümlichste aber war das Verhalten der Affen selbst, die sich seit jenem Tage, während der fünf Jahre meines Aufenthaltes in Baroda, nie mehr in der Nähe meines Bungalows blicken ließen, dafür aber des Nachts auf dem Dache des Hauses den größten Lärm vollführten und möglichst viele Ziegeln loszubrechen suchten, um die Stücke auf den Weg zu werfen. Wenn ich irgendwo im Park spazieren ging und sie mich bemerkten, eilten sie von allen Seiten herbei und begleiteten mich, von Baum zu Baum kletternd, unter großem Geschrei.

Wie weit in Indien das Vorurteil, kein Tier zu töten, geht, brachte mir eine Begebenheit zum Bewußtsein, die von meinen brahminischen Feinden am Hofe zunächst in jeder Weise gegen mich zu verwerten versucht wurde.

Bei einem Spazierritt fand ich in einem Straßengraben einen Esel liegen, der das Bein gebrochen hatte und dort seinem langsamen Tod achtlos überlassen worden war. Obgleich er noch lebte, waren schon die Aasgeier und Krähen an der Arbeit, dem wehrlosen Tiere die Augen auszuhacken. Ich stieg vom Pferde und erlöste den armen Esel durch einen Schuß von seinen Leiden.

Die Brahminen aber klagten mich an und beschuldigten mich, das Tier aus Freude am Töten ermordet zu haben. Ein anwesender Buddhist ging so weit, mir vorzuhalten, daß ich so vielleicht einen Mord an meinem eigenen Großvater begangen habe. Erst als ich ihm antwortete, daß ich genau wisse, mein Großvater habe genügend Verstand besessen, um mir in einer solchen Lage, wie die, in der ich den Esel fand, nur herzlich für meine Tat zu danken, und daß ich bei den hohen Geistesgaben der Anwesenden nur annehmen könne, auch ihre verehrten Großväter wären nicht weniger verständig als der meine gewesen, gaben sie, in dieser Sache wenigstens, Ruhe.

Auch Schlangen werden als heilige Tiere verehrt. In Baroda werden an bestimmten Festtagen der Hindufrauen zwei bis drei Körbe mit Brillenschlangen — Kobras — in einen Saal des Tempels gestellt, wo die Frauen, hinter durchsichtigen Vorhängen versteckt, dem Schauspiel zusehen. Inmitten des Raumes stehen große, flache Schalen mit Milch, zwischen denen die Körbe Platz finden und geöffnet werden. Während die Schlangen hervorkriechen und von der Milch trinken, rufen die Frauen ihre Götter an, die der Anblick der Schlangen besonders günstig stimmen soll.

Den priesterlichen Schlangenbeschwörern ist es ein leichtes Spiel, die dick mit Milch vollgepumpten Tiere wieder in ihre Körbe zurückzubringen. Eigentlich sollen sie, gemäß den Vorschriften der heiligen Bücher, nach beendeter Feier wieder in Freiheit gesetzt werden, doch für die Brahminen ist es einträglicher, sie an herumziehende Gaukler zu verkaufen, die dem Volke ihre Schlangenbeschwörerkünste zeigen.

Gaukler

Diese gewöhnlichen Schlangenbeschwörer unterliegen aber bei ihren Künsten größeren Gefahren, als ihre priesterlichen Berufsgenossen. So hatte einst ein alter, sehr bewährter Mann dieser Sippe im Garten des Maharadscha von Baroda eine große Kobra gefangen. Er bat, dem Fürsten und seinem Gefolge die Kunst zeigen zu dürfen, mit einem so giftigen und gefährlichen Tier ohne jede Dressur umzugehen. Als wir uns alle eingefunden hatten, handhabte er die Schlange in der verschiedensten Weise. Plötzlich aber erhielt er von dem Tier einen Biß in den Unterarm. Er schleuderte die Kobra zu Boden, wo sie schnell von den Umstehenden zertreten wurde. Er selbst jedoch bat flehentlich, der Maharadscha möge doch einem der Leibwächter gestatten, ihm mit seinem scharfen Krummsäbel den Arm am Ellbogen abzuschlagen. Der Gaekwar nickte, und eine Sekunde später lag der Unterarm des Mannes auf dem Teppich, das einzige Mittel, dem unvorsichtigen Schlangenbeschwörer das Leben zu retten.

Pythonschlange