„Nichts leichter als das“, antwortete ich ihm leichten Herzens. „Sie können bestimmt darauf rechnen, ebenso wie Ihr Freund, Kapurthala im Glanze seines Sternes zu verlassen.“

Als ich aber Dschagatdschit Singh das Anliegen der beiden Franzosen vortrug und erwartete, daß er mit Freude die Gelegenheit ergreifen werde, die hohe Wertschätzung seiner Ordensschöpfung von neuem in das helle Licht eines feierlichen Durbar zu setzen, erfuhr ich, daß der Stern von Kapurthala erloschen sei und wie diese Katastrophe sich zugetragen habe.

An mir war es nun, den hohen Herren aus Frankreich die Ablehnung ihres Wunsches mit viel Takt und noch mehr Lügen beizubringen. Zum Trost erhielt jeder von ihnen einen sehr wertvollen Kaschmirschal, doch der Maharadscha hatte noch lange Zeit ein schmerzliches Lächeln, wenn der Hausorden von Kapurthala am blau-weißen Bande in vier Klassen erwähnt wurde.

„Ab ke bas hai“

Die Mißstimmung Dschagatdschit Singhs, den ihm von so glanzvoller Seite, wie dem Prinzen von Bourbon, nahegelegten Wunsch haben abschlagen zu müssen, hatte aber einen tieferen, mehr indischen Grund als den Schmerz über den untergegangenen Stern.

Es ist in Indien uralte Sitte, daß der Gastgeber alles das, was ein hoher und geehrter Gast bei ihm bewundert, ohne weiteres ihm als Geschenk überreicht, gerade so wie der Maharadscha von Patiala dies mir gegenüber mit meinem Rennpferde „Foxy“ getan hatte. Für den Fürsten von Patiala war dies Geschenk damals eine Kleinigkeit gewesen, und er hatte ohne irgendeinen bedauernden Gedanken das übliche: „Dumara ke bas hai!“ — Es sei dein — gesprochen[13].

Anders aber verhält es sich, wenn der Gast irgendeinen besonders wertvollen Gegenstand oder irgend etwas, an dem der Gastgeber mit besonderer Liebe hängt, mit seiner Bewunderung beehrt und dies ausspricht. Auch dann muß der alten Sitte Genüge getan und mit freundlicher Würde selbst die teuerste und liebste Sache dem Bewunderer ausgehändigt werden.

Hierin liegt auch einer der Gründe, weshalb die indischen Fürsten sich gegenseitig nicht so oft besuchen. Binnen kurzem hätte einer den anderen ruiniert. Da nun aber diese Besuche nicht zu umgehen sind, erfordert es im Hinblick auf diese Sitte der indische Anstand, niemals irgend etwas, das dem Gastgeber gehört, zu loben oder, sei es auch noch so schön, zu bewundern. Bei einem Besuche, den ich einst dem Nawab von Bahawalpur abstattete, erzählte er mir, hieran anschließend, ein Erlebnis vornehmlich zum Beweis, wie minderwertig doch die englische Erziehung sei und wie sie auch geborene Inder dazu verleite, die vornehmen Sitten ihrer Väter zu vergessen.

Bahawalpur liegt an der Grenze Belutschistans in Nordwest-Indien und stößt im Osten an den Pundschab. Einer der im südöstlichen Teile der Provinz regierenden fünf Sikhfürsten, der Radscha von Farikot, hatte seinen Sohn Tika Bolan Singh auf der vornehmen englischen Schule in Aligarh erziehen lassen. Nach Beendigung der Studien sandte er ihn nun zu den Nachbarfürsten auf Besuch, damit alle sein Wissen, seine Bildung und sein gutes Benehmen bewundern sollten.

Auf dieser Rundreise kam der junge Thronfolger von Farikot auch nach Bahawalpur, und der Nawab, ein mohamedanischer Fürst, hielt ihm zu Ehren ein großes Durbar ab, wobei er, um den Eindruck zu erhöhen, sich in aller Pracht seiner Staatsgewänder und im Schmucke seiner schönsten Juwelen zeigte. Der neben ihm sitzende Tika Bolan Singh machte dabei in Gegenwart aller Gäste eine bewundernde Bemerkung über den prachtvollen Rubinring, den Nawab am Finger trug.