IV. Die Pulpahöhlen.
Es sollen nun noch die offen liegenden Pulpahöhlen der auf [Taf. VIII], Fig. 23 abgebildeten linken Unterkieferhälfte des Homo Heidelbergensis einer Betrachtung unterzogen werden: Bei P 1 verläuft die Bruchfläche auf der lingualen Seite horizontal, auf der buccalen senkt sie sich schräg nach unten, so daß das Cavum dentis schräg durchschnitten ist. Man kann aber noch die Gestalt desselben in der Horizontale an der Grenze zwischen Wurzel und Krone rekonstruieren, die ein linguobuccal 3,5 mm langes und mesiodistal 1,9 mm breites Oval darstellt, das einem Ameisenpuppenkokon in der Form ähnelt. Die Krone von P 2 ist horizontal abgeschlagen. Der ähnlich wie bei P 1 gestaltete Durchschnitt mißt linguobuccal 4,0 mm, mesiodistal 2,0 mm. Die Stärke der Wandung schwankt zwischen 2,0–2,5 mm.
Von den beiden Molaren sind die Kronen ebenfalls nahezu horizontal abgetrennt. Die linguale und buccale Wand der Pulpenkammern sind nahezu geradlinig und parallel zueinander. Bei M 1 zeigt die mesiale Wand eine distalwärts, also in das Innere des Cavum dentis gerichtete Biegung, während die gegenüberliegende Wand distalwärts nach außen gebogen ist. Infolgedessen vollzieht sich innerhalb der Zahnhöhle der Übergang in die Parallelwände bei der mesialen Wand in einem spitzen Winkel, bei der distalen stumpfwinkelig. Außerhalb der Pulpenkammer sind die Ecken abgerundet. Im Querschnitt zeigt diese mesiodistal gemessen 4,3 mm, linguobuccal sogar 4,8 mm. Die Dicke der Wandung schwankt zwischen 2,1 und 2,2 mm.
Der Boden der Pulpenkammer ist unregelmäßig höckerig. Es läßt sich nicht entscheiden, inwieweit fremde Ablagerungen auf demselben stattgefunden haben. Die Eingänge zu den Wurzelkanälen sind nicht ordentlich erkennbar. Das Dach der Pulpenhöhle zeigt, von unten betrachtet, wie bereits erwähnt, fünf der Kaufläche zugewendete Ausstülpungen, die den Höckern entsprechen und von einer kreuzförmigen Erhebung umgeben sind.
Bei M 2 verläuft die mesiale Wand der Pulpenkammer geradlinig, während die gegenüberliegende distalwärts gleichmäßig gewölbt ist. Der Übergang von der mesialen Wand in die Parallelwände vollzieht sich daher in einem leicht abgerundeten rechten Winkel, während die distale Wand mit den Parallelwänden einen Rundbogen bildet. Diese zeigen entsprechend der Wurzelteilung in der Mitte eine leichte Einsenkung, die auf der buccalen Seite nach unten hin zu verfolgen ist, ähnlich wie bei M 1. Der Pulpenboden läßt deutlich traubenförmig aufgelagerte mineralische Bestandteile erkennen. Von unten betrachtet zeigt das Pulpenkammerdach die bereits erwähnten, den Höckern entsprechenden fünf Ausstülpungen, die wie bei M 1 von einer kreuzförmigen Erhebung umgeben sind. Im Querschnitt mißt das Cavum dentis mesiodistal 6,3 mm und linguobuccal 5,7 mm. Die Dicke der Wandung schwankt zwischen 1,8 und 2,4 mm.
| Erster unterer Prämolar | Zweiter unterer Prämolar | Erster unterer Molar | Zweiter unterer Molar | ||||||
| Durchmesser der Pulpahöhle | Dicke der Wandung | Durchmesser der Pulpahöhle | Dicke der Wandung | Durchmesser der Pulpahöhle | Dicke der Wandung | Durchmesser der Pulpahöhle | Dicke der Wandung | ||
| Homo Heidelbergensis | |||||||||
| Linguobuccal. | 3,5 | 2,5 | 4,0 | 2,1 | 4,8 | 2,2 | 5,7 | 2,4 | |
| Mesiodistal. | 1,9 | 2,0 | 2,0 | 2,0 | 4,3 | 2,1 | 6,3 | 1,8 | |
| Rec. Europäer[XL.] | |||||||||
| 6–14 | Jahre | — | — | — | — | 4,087[XLI.] | 1,687 | 4,000 | 1,700 |
| 17–23 | » | 2,260 | 2,160 | 2,475 | 2,087 | 4,125[XLII.] | 2,012 | 3,900 | 2,037 |
| 23–32 | » | 2,412 | 2,200 | 2,550 | 2,171 | 3,750 | 2,200 | 4,275 | 2,087 |
| 32–43 | » | 1,940 | 2,340 | 2,120 | 2,086 | 3,625 | 2,300 | 3,685 | 2,157 |
| 44–52 | » | 2,050 | 2,200 | 2,166 | 2,133 | — | — | 3,933 | 2,300 |
| 53–66 | » | 1,850 | 2,100 | 2,300 | 2,166 | — | — | 3,760 | 2,500 |