Bei Pius' Tode hatte Pasquino viel zu tun. Er antwortete auf die Frage:
"Wie fand man den Leichnam des Heiligen Vaters?" - "Im Kopf waren seine
Nepoten, im Magen Josephs Kirchenordnung und in den Füßen die
Pontinischen Sümpfe."

Wer hätte es jemals gedacht, dass Frankreich, welches vor tausend Jahren die Macht des Papstes schuf, einst den Vizegott auf Pension setzen würde. Aber die Zeit der Wunder war wiedergekehrt, nur dass der Wundertäter kein gläubiger Heiliger, sondern Napoleon I. war.

Der große Bonaparte verriet die Freiheit und war klein genug, Kaiser werden zu wollen, und das konnte er nur, wenn er die Dummheit der Menschen förderte, und dazu brauchte er wieder einen Papst; denn Pfaffen und Despotie gehören zusammen wie Stiel und Hammer.

Der neue Papst Pius VII. salbte Napoleon. Pasquino konnte sein Maul nicht halten; er antwortete auf die Frage: "Warum ist das Öl so teuer?" - "Weil soviel Könige gesalbt und so viele Republiken gebacken sind."

Mit Zittern und Zagen ging Pius nach Frankreich; aber die wilden Löwen der Republik waren bereits wieder sanfte Schafe der Kirche geworden und der Papst äußerte selbst: "Ich rechne darauf, als ehrlicher Mann empfangen zu werden, aber nicht als Papst."

Die Pariser waren indessen - durch das Revolutionssieb filtrierte Pariser. Der Krönungszug war für sie kein heiliges Schauspiel, sondern eine Farce, und als Pius VII. seinen Segen erteilte, riefen die Gamins: bis! bis!

Der Esel, auf welchem der Kreuzträger vor dem päpstlichen Wagen herritt,
erregte ihre ganz besondere Heiterkeit: "Ach, seht da die päpstliche
Kavallerie! Ach, der apostolische Esel: der heilige Esel, der Esel der
Jungfrau!" und schallendes Gelächter erschallte vor Notre Dame.

Der Kaiser ließ den Papst eine Stunde in der Kirche warten und setzte sich dann mit seiner Gemahlin selbst die Krone auf. Pius VII. spielte eine untergeordnete Figurantenrolle.

Zorn im Herzen, kehrte der Heilige Vater nach Rom zurück. Der Spott der Pariser hatte ihn vielleicht etwas verrückt gemacht. Er wurde im Kalender irre und meinte wahrscheinlich acht Jahrhunderte früher zu leben, denn er dachte ernsthaft daran, alle Fürsten und alle Kirchen wieder von sich abhängig zu machen. Er hatte das Papstfieber.

Napoleon hatte indessen erreicht, was er wollte, und schonte den toll gewordenen Papst nicht länger. Am 2. Februar 1808 rückte General Miollis in Rom ein. Pius trat ihm entgegen und fragte: "Sind sie Katholik?" - "Ja, Heiliger Vater", stammelte der General ganz verlegen. Pius gab ihm schweigend den Segen und ging in sein Kabinett.