Von ihnen gilt, was Paulus ahnungsvoll vorhersah: "Bestimmt aber sagt der Geist, dass in den letzten Zeiten einige vom Glauben abfallen werden, achtend auf Irrgeister und Teufelslehren, die mit Scheinheiligkeit Lügen verbreiten, gebrandmarkt am eigenen Gewissen, die verbieten zu heiraten und gewisse Speisen zu genießen, welche Gott geschaffen, dass sie dankbar genossen werden von den Gläubigen und von denen, welche die Wahrheit erkannt."
Doch ich will wieder zu unseren Offenbarungsnarren zurückkehren und anführen, was einige Sekten derselben von der Ehe hielten.
Julius Cassianus, ein Hauptnarr, erklärte die Ehe für Unzucht, und die ganze zahlreiche Sekte der Enkratiten floh die Berührung der Weiber überhaupt als eine Sünde. Zu ihnen gehörten die Abeloniten in der Gegend von Hippo in Afrika, die sich durchaus des geschlechtlichen Umgangs enthielten. Um aber die Vorschrift des Paulus (1. Korinth. 7,29), dass "diejenigen, die Weiber haben, seien, als hätten sie keine", buchstäblich zu erfüllen, nahmen die Männer ein Mädchen und die Weiber einen Knaben zur beständigen Gesellschaft zu sich, um in Verbindung mit dem andern Geschlecht, aber doch außer der Ehe, zu leben.
Ein gewisser Marzion, der von dem Heidentum zum Christentum übertrat, trieb es mit der Entsagung besonders weit und litt wahrscheinlich am Unterleibe, denn dafür sprechen seine hypochondrischen Lebensansichten. Seine Genossen redete er gewöhnlich an: Mitgehasste und Mitleidende! - Dieser trübselige Narr erklärte jedes Vergnügen für eine Sünde; er verlangte, dass jeder von den schlechtesten Nahrungsmitteln leben sollte, und von der Ehe wollte er vollends nichts wissen, denn diese erschien ihm als eine privilegierte Unzucht. Er verlangte von seinen Anhängern, wenn sie verheiratet waren, dass sie sich von ihren Weibern trennten oder doch das Gelübde leisteten, sie nicht als ihre Weiber zu betrachten. - Diese Sekte bestand bis zur Mitte des vierten Jahrhunderts unter besonderen Bischöfen.
Manche Lehrer dieser philosophischen Christensekten führten zur
Auflösung aller sichtlichen Ordnung. Karpokrates, der wahrscheinlich zur
Zeit des Kaisers Hadrian in Alexandrien lebte, lehrte: dass die
Befriedigung des Naturtriebes nie unerlaubt sein könne und dass die
Weiber von der Natur zum gemeinschaftlichen Genuss bestimmt wären. Wer
sich der sittlichen Ordnung unterwerfe, der bleibe unter der Macht des
Erdgeistes; sich aber allen Lüsten ohne Leidenschaft hingeben heiße
gegen ihn kämpfen und ihm Trotz bieten.
Ein anderer Schwärmer namens Marzius führte geheimnisvolle Zeremonien ein und machte besonders die Weiber damit bekannt, wodurch bei ihnen alle Schamhaftigkeit vernichtet wurde.
Von den Anhängern des Karpokrates erzählt man, dass sie bei ihren Versammlungen die Lichter verlöschten und untereinander das taten, wobei sich übrigens niemand gern leuchten lässt. Die Adamiten trieben es ähnlich. Vor ihrem Tempel, den sie das Paradies nannten, war eine bedeckte Halle. Unter dieser entkleideten sie sich und marschierten dann nackt und paarweise in die Versammlung. Hier ergriff jedes Männlein ein Fräulein - - und das nannte man die mystische Vereinigung. Ganz so wie bei unsern gut protestantischen Muckerversammlungen. Die Seelenbräute sind eine uralte Erfindung.
Andere Häretiker - so hieß die ganze Klasse dieser seltsamen Philosophen - gestatteten zwar die Ehe, verhinderten aber die Schwangerschaft, indem sie es machten wie Onan, der Erzvater der Onanie.
Montanus, der in der Mitte des zweiten Jahrhunderts in Phrygien lebte, sagte: dass Jesus und die Apostel der menschlichen Schwäche viel zu viel nachgesehen hätten. Er verachtete alles Irdische und legte auf die Ehelosigkeit sehr großen Wert.
Die Valesier, eine Sekte des dritten Jahrhunderts, zwangen ihre Anhänger zur Kastration, ja, sie trieben dieselbe so leidenschaftlich, dass sie gar häufig Fremde durch List in ihre Häuser lockten und diese unangenehme Operation mit ihnen vornahmen.