Die Gesetzgebung des Justinian war der Priesterehe durchaus nicht günstig, denn in einer Verordnung von 528 heißt es: - "Indem wir die Vorschrift der heiligen Apostel befolgen, verordnen wir, dass, so oft ein bischöflicher Stuhl in einer Stadt erledigt ist, die Bewohner derselben über drei Personen von reinem Glauben und tugendhaftem Leben sich vereinigen, um aus ihnen den Würdigsten hervorzuheben. Doch treffe die Wahl nur einen solchen, der das Geld verachtet und sein ganzes Leben Gott weiht, der keine Kinder und keine Enkel hat. - - Der Bischof muss durchaus nicht durch Liebe zu den fleischlichen Kindern verhindert werden, aller Gläubigen geistlicher Vater zu werden. Aus diesen Ursachen verbieten wir, jemanden, der Kinder und Enkel hat, zum Bischof zu weihen." In derselben Verordnung wird den Bischöfen auch verboten, in ihrem Testament ihren Verwandten etwas von dem zu vermachen, was sie als Bischöfe erwarben.

Die folgenden Bestimmungen sind noch strenger, und in einem Erlass von 531 befiehlt Justinian, dass niemand zum Bischof geweiht werde, als wer keiner Frau ehelich beiwohne und Kinder zeuge. Statt der Frau möge ihm die heiligste Kirche dienen. - Diese ist aber, nach des heiligen Ambrosius üppiger Schilderung: eine nackte reizende Braut, deren schöne und bezaubernde Gestalt Christus mit Begierde erfüllt und ihn bewogen habe, sie zur Gemahlin für sich zu erwählen!

Dass alle strengen Gesetze wenig fruchteten, dafür könnte man unendlich viele Beweise anführen. Alle Synoden waren bemüht, schärfere Verordnungen zu erlassen und auf einer im Jahr 751 gehaltenen wurde bestimmt: "Der Priester, welcher Unzucht übt, soll in ein Gefängnis gesteckt werden, nachdem er vorher gegeißelt und ausgepeitscht worden ist."

Rather von Verona, der zu Anfang des 10. Jahrhunderts lebte, klagt: "Oh! wie verworfen ist nicht die ganze Schar der Kopfgeschorenen, da unter ihnen keiner ist, der nicht ein Ehebrecher ist oder ein Sodomit."

Unter so bewandten Umständen war es dann wohl natürlich, dass vielen Christen Bedenken kamen, ob es wohl ziemlich sei, dass sie das, was sie für das Heiligste hielten, das Abendmahl, aus so beschmutzten Händen annehmen könnten.

Auf eine deshalb an ihn gerichtete Frage antwortete Papst Nikolaus I.: "Es kann niemand, so sehr er auch verunreinigt sein mag, die heiligen Sakramente verunreinigen, welche Reinigungsmittel aller Befleckungen sind. Der Sonnenstrahl, welcher durch Kloaken und Abtritte geht, kann doch dieserhalb keine Befleckung an sich ziehen. Daher mag der Priester beschaffen sein wie er will, er kann das Heilige nicht beflecken." Aus diesem beruhigenden Bescheid und passend gewählten Vergleich sieht man übrigens, dass die Pfaffen beim Papst in nicht besonders gutem Geruch standen!

Die Ansichten der Kirche von der Ehe übten aber nicht nur ihren demoralisierenden Einfluss auf die Pfaffen selbst aus; die Ehrwürdigkeit der Ehe im Allgemeinen litt darunter, denn es war nur natürlich, dass ein Verhältnis, welches von den so hochverehrten Lehrern verachtet wurde, auch bei den Laien nicht in besonderer Achtung stehen konnte. Die Liederlichen benutzten daher gern die Zeitansicht, um ledig zu bleiben und so ungezwungener ihren Leidenschaften zu folgen; und die Verheirateten, welche ihrer Weiber überdrüssig waren, fanden leicht einen heiligen Vorwand, sich ihrer zu enthalten und sich außer dem Haus zu entschädigen.

Das Leben der Päpste um diese Zeit, besonders im elften Jahrhundert, war wenig geeignet, auf die Sittlichkeit der Geistlichkeit vorteilhaft einzuwirken. Ich verweise in Bezug hierauf auf das vorige Kapitel.

Ein großer Eiferer gegen die Priesterehe, obwohl auch gegen die Unzucht der Pfaffen, war der Kardinal Petrus Damiani, der durch seine Schriften einen ganz außerordentlich großen Einfluss ausübte; das heißt in Bezug auf das Zölibat, aber nicht auf die Besserung der Geistlichen. Er war im Jahr 1002 in Ravenna von ganz armen Eltern geboren, die schon so viele Kinder hatten, dass sie nicht wussten, was sie mit dem neuen Ankömmling anfangen sollten. Die harte Mutter fasste den Entschluss, den Knaben auszusetzen, wurde aber durch die Frau eines Priesters davon abgehalten.

Petrus weihte sich der Kirche und wurde endlich im Jahr 1058 oder 59 Kardinalbischof von Ostia. Er nahm diese Stelle nur mit Widerstreben an und, empört über die Verderbtheit der Pfaffen, gab er sie bald wieder auf und zog sich in ein Kloster zurück, wo er 1069 starb.